Ich bin 21 Jahre alt und gerade in der Ausbildung zur Erzieherin.

Mein Leben war geprägt von Gewalt.

Als ich auf die Welt kam, war mein Bruder schon sauer auf alles und jeden. Er ist ungefähr 10 Jahre älter als ich und paranoid schizophren. Er ist oft sehr plötzlich ausgerastet und dann auf uns losgegangen. Er hat uns mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen, gewürgt und angedroht uns nachts zu erstechen etc. Eine lange Narbe ziert meinen linken Arm.

Kein Kind sollte so etwas erleben.

Mein Vater war früher sehr Alkoholabhängig. Er war selten bei uns zuhause, er musste ja Geld verdienen. Seine Arbeit ging immer vor. Dann kamen seine Arbeitskollegen, dann seine Freunde und ganz am Ende kamen wir. Wenn er betrunken war, sollte man lieber Abstand halten oder gar das Weite suchen. Meine Geschwister und ich haben für alles eine abbekommen, mit meinem Bruder hat er sich oft richtig geprügelt. Entweder wenn er betrunken war, Stress auf seiner Arbeit hatte oder wenn er sich mal wieder mit unserer Mutter gestritten hatte.

Als ich 11 Jahre alt war, stand am frühen Abend, es war ein Donnerstag, die Polizei mit einigen Streifen- und Krankenwagen vor der Tür. Meine Mutter sagte, ich solle auf mein Zimmer gehen, da sie mit dem Mann reden wolle. Wie Kinder nun mal sind, habe ich die Tür ein Stück offen gelassen. Der Mann sagte, dass sie noch einen weiteren Krankenwagen abseits des Hauses geparkt haben und meinen Bruder jetzt mitnehmen müssten.

Doch mein Bruder haute ab. Die ganze Nacht suchten sie ihn mit Hubschraubern und Spürhunden, da er als eine große Gefahr für sich selbst und für andere galt. Mitten in der Nacht habe ich ihn schreien gehört, als sie ihm die Handschellen umlegen wollten. Dann war plötzlich Ruhe.

Ich hatte nie Freunde.

Alle hatten Angst vor meinem Bruder. Schon in der Grundschule wurde ich gemobbt, weil mein Bruder krank ist. Ich wurde in den Dreck geworfen, bespuckt und getreten. Das erste Mal bei einer Therapeutin war ich mit vier bis fünf Jahren, darauf folgten noch viele weitere.

Ich hatte immer Probleme meinen Körper zu akzeptieren. Früher habe ich mir selbst die Haare rausgerissen, büschelweise. Schon früh machte sich die Depression bei mir bemerkbar. Mehrere Aufenthalte in Kliniken folgten, selbst jetzt bin ich in einer dieser Kliniken.

Ich werde nicht aufgeben

Der Kampf gegen die Depression ist schwer, doch ich habe schon mehrere Therapien und Klinikaufenthalte gemeistert und werde jedes mal ein bisschen stärker. Auch wenn das Leben immer wieder von Rückschritten geprägt ist. Gerade zum Beispiel wurde ich wieder mit einer schweren depressiven Episode diagnostiziert und bekomme bis zu 6 Tabletten am Tag. Es ist ein ziemliches auf und ab, aber wir können uns gegenseitig ermutigen und es schaffen, wenn wir über unserer Probleme reden!

Ich weiß, dass das Leben ziemlich beschissen sein kann. Aber ihr seit stärker als die Depression. Lasst euch das Leben von eurer Krankheit nicht nehmen! Immer positiv denken, auch wenn es schwer fällt. Fühlt euch gedrückt.


Wenn du gerade selbst mit Angst, Depressionen oder anderen psychischen Herausforderungen kämpfst, haben wir hier einen Brief an dich geschrieben. DU kannst auch andere ermutigen, erzähle Deine Geschichte! Wir freuen uns auch riesig über deine Nachricht oder deinen Kommentar! Wenn dir der Blog gefallen hat, kannst du ihn natürlich gerne liken, teilen und uns auf Facebook und Instagram folgen @theoceaninyourmind.

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