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Warum wir sexualisierte Gewalt nicht totschweigen dürfen

Ich weiß nicht, ob Dir das auch schon mal passiert ist: Du läufst an einer Straße entlang und wirst angehupt. Oder Du bist in der Stadt unterwegs und jemand pfeift Dir hinterher. Jemand schickt Dir ein dickpic. Du bist auf einer Party, tanzt auf der Tanzfläche und plötzlich fasst Dir jemand an den Hintern. Oder Du küsst jemanden und auf einmal drängt Dich die Person zu mehr, obwohl Du das nicht willst. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mir all das noch nie passiert sei. 

Die meisten Frauen werden das kennen: mit der Zeit hat man ein paar Strategien entwickelt, wenn man nachts allein draußen unterwegs ist. Pfefferspray, den Schlüssel zwischen die Finger, bestimmte Straßen und Orte meiden, auf tiefe Ausschnitte und kurze Röcke verzichten oder so tun als würde man telefonieren. Ob man sich als Mann auch solche Gedanken macht, weiß ich ehrlich gesagt nicht.

Sexualisierte Gewalt ist für uns Frauen fast schon zur Normalität geworden.

Die meisten werden schon einmal mit unangemessenen Bemerkungen, Blicken oder Berührungen konfrontiert worden sein. Oder mit Menschen, die ein Nein nicht als Nein verstehen, sondern als Ja deuten. Hier ist mir kurz wichtig zu sagen: Nein heißt immer Nein!

Sexualisierte Gewalt kann in der Schule, am Arbeitsplatz, im Sportverein, in der Jugendgruppe, in Beziehungen oder auf der Straße stattfinden und reicht von einem anzüglichen Blick über unangemessene Berührungen bis hin zu sexuellem Missbrauch. Den Täter*innen geht es dabei in der Regel weniger um die Sexualität an sich, sondern eher um den Missbrauch von Macht. 

Es sind vor allem Frauen und Mädchen, die sexualisierte Gewalt erleben. Aber: Auch Männer können unter sexualisierter Gewalt leiden! Und ihnen fällt es häufig noch schwerer darüber zu sprechen oder sogar Anzeige zu erstatten, da ihnen oft nicht geglaubt oder die Situation heruntergespielt wird. Deswegen ist es wichtig, jede Person ernst zu nehmen, die Äußerungen über sexualisierte Gewalt macht. 

Lass dich nicht davon abhalten zu reden

Menschen, die sexualisierte Gewalt erleben, trauen sich aus Angst und Scham oft nicht Anzeige zu erstatten. Viele sind der Überzeugung, dass sie selbst Schuld sind an dem, was sie erleben. Oftmals wird ihnen das auch so eingeredet.

Niemand hat es verdient unter sexualisierter Gewalt zu leisten! Und niemand ist selbst Schuld daran! Kurze Röcke oder gegenseitiges Flirten sind keine Entschuldigung für sexualisierte Gewalt! Auch wenn man schon einmal einvernehmlichen Sex hatte, beispielsweise in einer Beziehung, heißt das nicht, dass man von nun an immer Sex haben kann, wenn man will. Es bedarf jedes Mal aufs Neue das Einverständnis aller beteiligter Personen. Ein Kuss bedeutet nicht automatisch, dass man auch weitergehen will. Du trägst nicht die Schuld oder die Verantwortung für die Übergriffe eines anderen!

Trau Dich für Dich, Deinen Körper und Deine Rechte einzustehen!

Wenn du unter sexualisierter Gewalt leidest, egal in welcher Form, dann suche Dir Hilfe! Du musst das nicht allein durchstehen und Du bist es wert gegen diese Form der Machtausübung vorzugehen. In der Regel gibt es in jeder größeren Stadt eine Frauenberatungsstelle (einfach googlen), bei der man sich Hilfe suchen kann. Des Weiteren gibt es das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ und das Hilfeportal Sexueller Missbrauch.

Hilfsangebote, die spezifisch auf männliche Opfer ausgerichtet sind, gibt es leider nicht sehr viele. Es gibt auf jeden Fall auch Männerberatungsstellen (auch einfach googlen). Das Opfer-Telefon des Weissen Rings richtet sich an Opfer von Kriminalitätsopfern und ist kostenfrei und anonym erreichbar.

Ansonsten öffne Dich Deinen Eltern, Freund*innen, Geschwistern oder anderen Menschen, denen Du vertraust. Natürlich kannst Du Dich auch jederzeit an die Polizei wenden. Sprich mit jemanden über das, was dich belastet. Du bist so wertvoll!


Wenn du gerade selbst mit Angst, Depressionen oder anderen psychischen Herausforderungen kämpfst, haben wir hier einen Brief an dich geschrieben. DU kannst auch andere ermutigen, erzähle Deine Geschichte! Wir freuen uns auch riesig über deine Nachricht oder deinen Kommentar! Wenn dir der Blog gefallen hat, kannst du ihn natürlich gerne liken, teilen und uns auf Facebook und Instagram folgen @theoceaninyourmind.

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