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Warum ich keine andere Option möchte

Man hat immer die Option zu kämpfen oder aufzugeben. Ich war an einem Punkt, an dem kämpfen für mich keine Option mehr war: Ich hatte angefangen mich auch zu schneiden, während ich unter Menschen war, ich war an meinem Tiefpunkt. Ich konnte mich selbst nur spüren indem ich mir Schmerz zufügte. Ich hatte immer mindestens vier Rasierklingen dabei und eine hat immer meine Haut berührt, pausenlos. Ich wollte es immer spüren und wissen, dass ich mich jederzeit verletzen konnte. Das war meine Sicherheit.

Ich wollte gar nicht mehr aufhören.
Ich hatte aufgehört etwas Schlechtes am Ritzen zu sehen.
Ritzen war ein Teil meines Lebens.
Noch viel wichtiger: Ritzen war ein Teil von mir!

Ich habe nach einiger Zeit bemerkt, dass die Schnitte immer tiefer und häufiger wurden. Ich muss einen Engel, oder eine richtige Erleuchtung in dem Moment gehabt haben, denn ich wurde mir plötzlich bewusst, dass ich das eigentlich nicht wollte. Ich wollte mich nicht mehr ritzen. Ich wollte wieder dagegen ankämpfen.

Das Problem war, dass ich mir eine Hintertür offen gelassen habe. Ich habe meine Rasierklingen in meinen Taschen gelassen. „Für den Fall der Fälle.“ Ich habe mir die Option offen gelassen mich zu ritzen, falls der Druck zu groß wird. Ich habe mir eine Option offen gelassen mich umzubringen, wenn alles wieder schlimmer werden sollte. Falls der Kampf zu anstrengend wird, kann ich ja aufgeben.

Wenn man sich eine Hintertür offen lässt, dann hängt an dieser Tür meistens ein ganzes Zimmer. Ein Zimmer voll mit Problemen und Dingen die man eigentlich bekämpfen wollte. Wenn man probiert gegen Probleme zu kämpfen, aber die Hintertür bereit haben möchte, dann nimmt man mit der Hintertür das ganze Zimmer mit. Der Vergleich ist vermutlich sehr holprig, aber du siehst vielleicht worauf ich hinaus will. Du kannst nicht vorwärts gehen, wenn du ein ganzes Zimmer an Problemen hinter dir her ziehst.

Ich habe irgendwann all meine Rasierklingen weggeworfen. Ich habe diesen Schritt gebraucht. Von da an war, jedes Mal wenn ich mich ritzen wollte, der Aufwand deutlich höher. Ich hatte mehr Zeit zu überlegen, was ich anders machen könnte. Wie ich mich nicht ritzen könnte.

Die Option mich zu ritzen habe ich aber erst später losgelassen. Es war immer eine Option in meinen Gedanken, die mir Sicherheit versprach, etwas bekanntes, fast schon komfortables. Diese Option loszulassen hieß für mich, mich ab dem Moment mit allem, was mich beschäftigt auseinander zu setzen. Es hieß wirklich gegen meine Depressionen zu kämpfen.

Ich muss dabei an einen Liedtext denken von Thrice – Burn the Fleet. Da heißt es frei übersetzt:

Verbrennt die Schiffe, setzt die Segel in Brand, dann können wir nicht mehr nach Hause. Jetzt heißt es gewinnen oder sterben. Das Feuer steigt, aber es zeigt keine Furcht in unseren Augen. Verbrennt die Flotte, wir werden Helden oder Geister, aber niemand kann uns zur Umkehr zwingen.

Wenn wir vorwärts gehen und kämpfen gibt es nur den Sieg. Für mich war es ein wichtiger Schritt, mir die Option zu nehmen, mich wieder zu ritzen. Vorher habe ich aufgegeben. Seitdem habe ich gekämpft. Und jetzt kann ich sagen, dass ich frei bin von Depressionen und Ritzen.

 

 

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