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Wieso interpretieren wir das Verhalten anderer oft gegen uns?

Es gibt Tage, an denen bekommt man den Frust und die negativen Emotionen anderer Menschen ab. Für sensible Menschen kann so etwas weit größere Auswirkungen haben, als für manch anderen. Wer sensibel ist, neigt dazu, die Gefühle seines Gegenübers noch intensiver wahrzunehmen und schlimmstenfalls auf sich zu beziehen. Warum war die Kassiererin so unfreundlich zu mir? Warum hat mich der Mann auf der Straße so missmutig angeschaut? Was stimmt nicht mit mir? Habe ich etwas falsch gemacht? Liegt es an mir?

Wir suchen oft zu Unrecht die Schuld bei uns

Das Verhalten unserer Mitmenschen führt dann häufig dazu, dass wir in Selbstzweifel versinken. Wir suchen die Gründe für negative Erfahrungen in der sozialen Interaktion mit anderen sehr oft zuerst bei uns. Wir zweifeln an uns und unserem Verhalten. Überlegen, an welcher Stelle unsere Kommunikation zur miesen Laune unseres Gegenübers beigetragen hat, oder ob wir vielleicht sogar der Auslöser waren. Was könnte ich besser machen? Warum passiert so etwas immer nur mir?

Warum machen wir negative Begegnungen mit anderen zum Auslöser an uns zu zweifeln? Das entscheidende Problem an dieser Stelle ist, dass wir uns selbst als Ursache sehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass nicht wir Schuld sind an der schlechten Laune der Kassiererin im Supermarkt ist sehr groß. Vielleicht hat sie heute eigentlich ihren freien Tag, muss aber die Schicht ihrer kranken Kollegin übernehmen. Vielleicht hat sie auch Hunger, weil sie noch keine Pause machen konnte. Der Mann auf der Straße, der uns einen bösen Blick zuwirft, hat vielleicht Kopfschmerzen und uns gar nicht bewusst angesehen. Es gibt so viele Gründe, warum sollte ausgerechnet unsere Version die Richtige sein?

Achte auf deinen Gegenüber, aber auch auf dich selbst

Wir müssen die Richtung unseres Denkens ändern, damit wir langfristig gestärkt und selbstbewusst durch unser Leben gehen können. Wir sollten den Menschen, die ihre schlechte Laune mit sich tragen, mit Liebe und vor allem Mitgefühl begegnen. Genauso wie wir Liebe und Mitgefühl für uns selbst haben sollten. Wir dürfen die Zweifel nicht größer werden lassen als all die Gründe, die für uns sprechen.

Anstatt zurück zu schrecken in der Annahme, etwas falsch gemacht zu haben, könnten wir objektive Beweggründe für das Verhalten anderer finden. Denn wenn wir die Energie aufbringen, uns Gedanken um andere zu machen, warum dann nicht mit Wohlwollen uns selbst gegenüber?  Wenn wir schon sensibel genug sind, um Emotionen unseres Gegenübers wahrzunehmen, dann sollten wir das doch als Stärke nutzen und nicht als vermeintliche Schwäche ansehen.



Wenn du gerade mit Angst, Depressionen oder anderen psychischen Herausforderungen kämpfst, haben wir hier für dich die ersten Hilfemöglichkeiten aufgeschrieben und auch einen Brief an dich geschrieben. DU kannst auch andere ermutigen, erzähle Deine Geschichte! Wir freuen uns auch riesig über deine Nachricht oder deinen Kommentar! Wenn dir der Blog gefallen hat, kannst du ihn natürlich gerne liken, teilen und uns auf Facebook und Instagram folgen @theoceaninyourmind.

2 Gedanken zu „Wieso interpretieren wir das Verhalten anderer oft gegen uns?

  1. Genau das erlebe ich so oft. Die Selbstzweifel sind weniger geworden, aber ich fühle mich trotzdem immer noch wertlos, weil ich das Gefühl habe, dass meine Eltern nur negatives in mir sehen und nach einem heftigen Streit renne ich immer in mein Zimmer, um zu weinen. Dann frage ich mich immer, ob mein Leben überhaupt noch etwas wert ist. Ich weiß zwar, dass meine Eltern mich lieben, aber sie sagen es mir nicht oft und wenn wir uns dann streiten, steigert das mein negatives Denken. So ein Streit kommt selten vor und eigentlich ist auch alles in Ordnung, aber ich hasse diese Tiefs, in denen ich mich öfter befinde, auch ohne Streit.

    1. Liebe Sarah! Dein Leben ist unendlich viel wert, auch wenn du das manchmal in Frage stellst. Suche dir doch jemanden, mit dem du über deine Gedanken und Gefühle sprechen kannst. Und wenn die Selbstzweifel, negativen Gedanken und Tiefs, in denen es dir nicht gut geht, sich häufen und schlimmer werden, dann hol‘ dir auf jeden Fall professionelle Hilfe, wenn du das Gefühl hast, dass dir das helfen könnte. Du bist nicht allein und unglaublich wertvoll!

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