Mein Vater ist verstorben als ich 14 Jahre alt war. Seitdem sind einige Jahre vergangen und ich habe immer noch damit zu kämpfen. Trotz Therapie glaube ich, dass ich diesen Tod bis heute nicht richtig verarbeitet habe. 

Eine Freundin von mir verlor ihren Vater vor 3 Monaten. Sie kommt viel besser mit der Situation klar, als ich es bis heute kann. Liebte ich meinen Vater mehr als sie ihren? Wieso geht es ihr nicht so schlecht wie mir? 

Jede Person reagiert anders auf belastende Ereignisse

Das alles hat etwas mit dem Thema Resilienz zu tun. Resilienz ist die Fähigkeit der Aufrechterhaltung oder Zurückgewinnung der psychischen Gesundheit, nach oder während lebenswidrigen Lebensumständen.

So gesehen besitzt meine Freundin also eine höhere Resilienz als ich. Doch kann ich das beeinflussen? Oder ist das von Geburt an prädestiniert? 

Im Laufe des Lebens verändert sich die Resilienz

Resilienz ist nicht angeboren. Es ist kontextgebunden und veränderbar und dieser Prozess verläuft das ganze Leben über. So gibt es verschiedene Risiko- und Schutzfaktoren, welche die Resilienz stärken und/oder abschwächen.

Risikofaktoren können sein: Verlust einer nahestehenden Person, eine chronische Erkrankung, Gewalt, Trennung, Krieg, Diskriminierung, etc.. Schutzfaktoren hingegen können sein: gesunde körperliche Kondition, ein sicheres Familienumfeld, Freunde, ein sicherer Arbeitsplatz, etc.. 

So kann man sagen, dass Menschen mit einem sicheren, stabilen und sozialen Umfeld eine höhere Resilienz besitzen als Menschen, die in Armut aufgewachsen sind und zum Beispiel eine chronische Krankheit haben. So ist es vollkommen normal, wenn ich, durch andere Umstände, sensibler auf bestimmte Ereignisse reagiere als andere. 

Man kann Resilienz also nur bedingt selbst beeinflussen. Und ich hoffe, dass meine Resilienz irgendwann hoch genug sein wird, dass belastende Ereignisse mich nicht psychisch so herunterziehen, wie es momentan der Fall ist. 

Gegenüberstehend zur Resilienz ist übrigens die sogenannte Vulnerabilität, die die Verletzlichkeit oder Anfälligkeit für Krankheiten beschreibt. So können sich auch sogenannte Vulnerabilitätssymptome entwickeln, wie zum Beispiel psychosomatische Symptome, Depression, Suchtentwicklung, etc.. Eine erhöhte Vulnerabilität findet sich bei Menschen mit einem Migrationshintergrund, einem niedrigen Sozialstatus und/oder einer chronischen Erkrankung. 


Resilienz und Vulnerabilität sind voneinander abhängig

Je höher die Resilienz, desto niedriger ist die Vulnerabilität. Faktoren, welche die Resilienz stärken schwächen die Vulnerabilität ab. Man kann sie sehr gut gegenüberstellen. Als Folge einer hohen Vulnerabilität reagieren Menschen auf Stresssituationen beispielsweise mit psychischen Erkrankungen.

Wir können oft nichts für die Dinge, die uns widerfahren. Und genauso können wir nichts für unsere psychische Erkrankung. Sie kann eine Folge dessen sein, was uns alles im Leben passiert ist. Und da jede Situation bedeutend dafür ist, ist es auch völlig normal, dass andere Menschen auf die gleiche Situation anders reagieren als wir. Wir sind nicht schwächer wegen unserer Erkrankung. 



Wenn du gerade selbst mit Angst, Depressionen oder anderen psychischen Herausforderungen kämpfst, haben wir hier einen Brief an dich geschrieben. DU kannst auch andere ermutigen, erzähle Deine Geschichte! Wir freuen uns auch riesig über deine Nachricht oder deinen Kommentar! Wenn dir der Blog gefallen hat, kannst du ihn natürlich gerne liken, teilen und uns auf Facebook und Instagram folgen @theoceaninyourmind.

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