Was mache ich, wenn jemand seine*ihre Suizidabsichten mit mir teilt?

Vielleicht hast du es schon mal erlebt, dass jemand dir anvertraut hat, dass er oder sie mit dem Gedanken spielt, sich das Leben zu nehmen. Statistisch gesehen kündigen Betroffene ihren Suizid in acht von zehn Fällen vorher an. Wenn dir also jemand diese Absichten schildert, muss das auf jeden Fall ernst genommen werden. Wir wollen dir in diesem Text gemeinsam mit Freunde fürs Leben e.V. wichtige Informationen darüber geben, wie du vorgehen und worauf du achten solltest.  

Achte auf die Warnsignale

Betroffene hadern oft mit ihren Gedanken und dem Wunsch zu sterben oder doch weiterzuleben. Deshalb ist es umso wichtiger, Warnsignale zu erkennen und dann auch entsprechend zu handeln. Menschen, die sich das Leben nehmen wollen, können durchaus auch noch von diesem Vorhaben abgebracht werden. Klassische Warnsignale können zum Beispiel sein, dass die betroffene Person unter einer langanhaltenden psychischen Krise leidet, hoffnungslos ist und sich keinen Weg aus der Situation mehr vorstellen kann. Die Person fühlt sich extrem einsam und isoliert sich immer mehr. Außerdem besteht Gefahr, wenn die Person Suizidgedanken oder sogar konkrete Pläne äußert, bereits einen Suizidversuch hinter sich hat, achtlos mit dem eigenen Leben umgeht oder sich selbst verletzt. Treffen eines oder mehrere dieser Dinge zu, solltest du auf jeden Fall aktiv werden. 

Wenn dein:e Freund:in, dein:e Partner:in oder ein Familienmitglied über seine bzw. ihre psychische Krise und ggf. seine bzw. ihre Suizidgedanken spricht, ist das ein großer Schritt – denn darüber zu sprechen, ist oft nicht einfach. 

Hier erklärt Psychotherapeutin Annika von HelloBetter, was dir als betroffene Person helfen kann, über deine Suizidgedanken zu sprechen und wo du Hilfe findest.

Als Angehörige:r möchtest Du der Person helfen, gleichzeitig aber nichts Falsches sagen. Es ist verständlich, dass du dich überfordert fühlst, wenn dein:e Freund:in dir von seinen bzw. ihren Suizidgedanken bzw. Suizidabsicht erzählt – oder du auch nicht genau weißt, was du entgegnen sollst und ab welchem Punkt professionelle Hilfe notwendig ist.

Die oberste Devise in einer entsprechenden Situation lautet: Einfach zuhören und nach konkreten Gedanken und Pläne fragen. Wenn du Verständnis und Offenheit mitbringst und die Krise oder die Suizidabsicht ernst nimmst, bietest du deinem bzw. deiner Freund:in einen Raum, sich weiter zu öffnen. Es geht nicht darum, Ratschläge zu erteilen oder direkt eine Lösung zu finden. Lass deinem bzw. deiner Freundin Zeit sich zu öffnen und frage gerne nach, wenn du etwas nicht verstehst.

Wie kann man konkret aktiv werden?

Erkundige dich, welche Hilfe dein:e Freund:in bereit ist, anzunehmen. Bei der Suche nach professioneller Hilfe kannst du deinen bzw. deine Freundin unterstützen, indem du Adressen und Telefonnummern heraussuchst. Gemeinsam könnt ihr euch an die TelefonSeelsorge, Beratungsangebote vor Ort oder online, an einen Arzt bzw. eine Ärztin oder eine psychiatrische Ambulanz wenden. Im Hilfsangebotefinder hat Freunde fürs Leben wichtige Anlaufstellen zusammengestellt.

In Sprecht miteinander – Wie finde ich die richtigen Worte? kannst du auch noch einmal genauer nachlesen, welches Mindset, welcher Rahmen und welche Worte dir und deinem bzw. deiner Freund:in helfen können.

Du solltest immer davon ausgehen, dass die Person die geäußerten Suizidgedanken und -absichten ernst meint. Es ist falsch zu glauben, dass Menschen die über Suizid reden, es nie tun. Über einen Suizid zu sprechen, ist ein eindeutiges Warnsignal – und eine große Überwindung. 

Wenn dein:e Freund:in konkret einen Suizid ankündigt oder darüber spricht, den Plan, sich das Leben zu nehmen, in die Tat umzusetzen, solltest du den Notruf 112 oder eine psychiatrische Ambulanz in deiner Nähe anrufen. Am Telefon wird dich die zuständige Person zum Namen und Alter deines bzw. deiner Freund:in, ihrem Zustand und ihrem Aufenthaltsort befragen. 

Besteht akute Gefahr für das Leben deines bzw. deiner Freund:in, kann er bzw. sie in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden. Hier steht im Mittelpunkt der gefährdeten Person Sicherheit und Schutz zu bieten bis die akute Gefahr des Suizids abgebaut ist. Es geht nicht darum, die gefährdete Person monatelang festzuhalten und einzusperren. Viele Betroffene können nach einigen Tagen die Klinik verlassen. Eine Zwangseinweisung findet nur statt, wenn das eigene Leben weiterhin stark gefährdet ist. Diese Entscheidung findet aber in Gesprächen zwischen dir und einem Gericht statt. 

Wenn du mehr über das Thema Zwangseinweisung erfahren möchtest, hör hier in die Podcastfolge mit dem Jugendpsychiatrie-Leiter Ottmar Hummel rein. Er erklärt noch einmal genau, wie geschlossene Psychiatrien funktionieren.

Bleib nicht allein

Was du als helfende Person nicht vergessen darfst: Auch du musst mit der Suizidabsicht deines bzw. deiner Freund:in nicht alleine bleiben – und du musst diese psychische Krise deines bzw. deiner Freund:in nicht alleine lösen. Dafür gibt es professionelle Unterstützung in Form von Beratungsstellen, Psychotherapeut:innen oder psychiatrischen Kliniken. Deine eigene seelische Gesundheit ist genauso wichtig. Bau dir ein Unterstützungsnetzwerk aus Freund:innen und Familie auf, mit denen ihr gemeinsam die betroffene Person und euch entlasten könnt. 

Wie du als Angehörige:r eine betroffene Person unterstützen kannst, hat hier auch noch einmal Psychotherapeutin Annika von HelloBetter erklärt. 

Suizid kann jeden und jede treffen, aber er kann sich auch verhindern lassen. Durch dein Engagement kannst du Leben retten. Es ist wichtig, Betroffenen zu zeigen, dass es einen Ausweg und Hoffnung gibt und auch, dass sie Hilfe bekommen können. Lasst uns gemeinsam die Augen offenhalten und auf unsere Mitmenschen achten. Danke, dass du dich um andere Menschen kümmerst und ihnen zuhörst. Danke, dass du ein safe space für andere bist und sie sich durch dich weniger allein fühlen.  

Wenn du selbst von Suizidgedanken betroffen bist, dann wollen wir dich ermutigen, dir Hilfe zu suchen. Es gibt Hoffnung und es gibt einen Weg für dich da raus. Wir haben einen Artikel, wie du konkrete Hilfe finden kannst (LINK). Wende dich an die Telefonseelsorge (0800 1110111) oder im akuten Fall an den Rettungsdienst (112). 

Wenn du gerade selbst mit Angst, Depressionen oder anderen psychischen Herausforderungen kämpfst, haben wir hier einen Brief an dich geschrieben. DU kannst auch andere ermutigen, erzähle Deine Geschichte! Wir freuen uns auch riesig über deine Nachricht oder deinen Kommentar! Wenn dir der Blog gefallen hat, kannst du ihn natürlich gerne liken, teilen und uns auf Facebook und Instagram folgen @theoceaninyourmind.

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