Deine Geschichte

Julius‘ Geschichte

Meine Geschichte begann vor etwa 8 Monaten. Sie ist wahrscheinlich nicht so krass, ich hatte nie eine wirklich ernste Depression, habe mich nie verletzt, Drogen genommen oder Ähnliches. Dennoch denke ich, dass ich helfen kann und der eine oder andere wird sich vielleicht wiedererkennen.

Ich bin sehr behütet aufgewachsen mit einer tollen Familie, vielen Freunden, in einer genialen Kirche. Ich war 20 Jahre alt. Von außen sah es so aus als würde alles glatt laufen. Ich hatte zwar ein abgebrochenes Studium hinter mir, aber ich hatte Abitur gemacht, einen Auslandsaufenthalt und wollte jetzt mit einer neuen Zukunftsperspektive durchstarten, doch dazu kam es erst mal nicht.

Es geschah am Tag nach Fasching, dass ich etwas erlebte, was mich aus meiner Bahn warf. Etwas, dass mir solche Angst einjagte, dass ich noch Monate später dagegen kämpfen würde.

Ich bekam eine Panikattacke, dann noch eine und noch eine, bis die Angst zu meinem steten Begleiter wurde. An manchen Tagen war sie beinahe weg, an anderen hielt sie mich in ständiger Beunruhigung. Sie ließ mich nicht schlafen, trieb mich in tiefe Verzweiflung, brach mir das Herz und ließ mich so viel weinen, wie ich es noch nie in meinem ganzen Leben getan habe.

Ich hatte schließlich Angst vor mir selber, vor der Angst selbst, vor Gedanken. Ich grübelte tagein tagaus, verhedderte mich in meinen Gedanken. Ich war am Boden.

Ich bin mir sicher, dass ich in eine ernste Depression gerutscht wäre, aber dann ich fing an zu kämpfen.

Ich will an dieser Stelle praktisch werden und euch erzählen, wie es dazu kam, dass ich nach 6 bis 7 Monaten wieder sagen konnte: »Mir geht es gut, … wirklich gut!«

  1. Ich habe angefangen alle Lügen über mich, die in mir waren, raus zu kicken. Ich habe zu Gott gebetet, dass ich mich so sehen kann wie er mich sieht. Ich habe meine Einstellung geändert. Wenn ich heute noch nicht glücklich bin, dann werde ich durch meine Situation nur stärker, ich werde klüger und reifer. Ich werde ein Sieger sein. Jede Angst die kommt, werde ich überwinden.
  2. Ich habe erzählt, was in mir vorgeht, vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Menschen mein Inneres komplett offenbart. Meine Eltern waren für mich da, meine Kirche, meine Freunde und selbst flüchtige Bekannte, sprachen mir Mut zu und erzählten mir, wie es ihnen ergangen war. Plötzlich war ich nicht mehr allein. Ich durfte Erfahren, wie viele Menschen in ähnliche Situationen geraten waren und wie viele sie überwunden haben.
  3. Eine befreundete Ärztin hat mir mal erzählt, wenn man es schafft, in einer Depression Sport zu machen, besonders Ausdauersport, dann kann sich der Körper dadurch selbst heilen. Bei Depressionen spielen die Botenstoffe im Gehirn verrückt. Bei anstrengender Bewegung gleicht sich der Körper automatisch aus. Auch befriedigt Laufen den Angstzustand, der im Prinzip nichts anderes ist, als ein Fluchtreflex. Regelmäßiger Sport wurde zu einem großen Teil meines Kampfes. Er zwingt einen zur Disziplin, erweckt Kampfgeist, Ehrgeiz, reguliert wie von Selbst (evtl. gestörte) Essgewohnheiten und baut gesunden Schlafrhythmus auf. Wenn ich also merkte, dass mich alles anfing zu nerven, wenn ich nur noch weg von allem wollte, dann habe ich mir meine Laufschuhe geschnappt und bin laufen gegangen. 40 Minuten, 1 Stunde, 90 Minuten, manchmal um 6 Uhr morgens, manchmal um halb 1 in der Nacht und es hat immer geholfen. Der Körper folgt dem Geist – aber der Geist kann auch dem Körper folgen!

Ich könnte mehr Dinge aufzählen, Details, aber das sind für mich die drei wichtigsten Punkte.

Auch heute muss ich kämpfen. Die Gefühle sind immer noch manchmal da. Aber sie ziehen mich nicht runter. Sie sind eine Herausforderung, aber mittlerweile keine sonderlich Große mehr.

Heute lächle ich der Angst ins Gesicht.

Jeder kann das!

Ich freue mich auf das Abenteuer meines Lebens, was an jenem Tag vor 8 Monaten erst richtig begonnen hat.

 

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