Deine Geschichte

Laras Geschichte

Hunger. Ein lebenswichtiger Impuls. Jeder weiß, welche Auswirkungen er auf die Laune haben kann. Doch was ist, wenn der Hunger ein wichtiger Bestandteil von dir wird? Ihn zu spüren wichtiger ist, als ihn zu stillen.

Du bist klein, dick und hässlich

Ich habe mich schon immer zu dick gefühlt. Seit ich denken kann finde ich irgendetwas an mir, dass einfach zu viel ist. Von außen wurde dieses Gefühl in meiner Schulzeit sehr verstärkt. „Ich glaube du hast zugenommen…Du bist klein, dick und hässlich“. Witze von Schulkameraden, die stark unter die Gürtellinie gingen und mich direkt im Herzen trafen. Im letzten Schuljahr hatte ich eine gute Freundin, die ständig auf Diät war. Der Gedanke darüber, selbst eine Diät zu machen, wurde immer stärker in mir und gewann schließlich.

Es war ein schleichender Prozess. Erst ließ ich das Abendessen weg, dann wog ich mich fast jeden Tag, fing an mich mit jedem Mädchen zu vergleichen und gab letztendlich wieder auf. Das Abitur war mir dann doch wichtiger als die Diät. Nach den schriftlichen Prüfungen hatte ich wieder zugenommen.

Das war das erste Mal dass ich mir den Finger in den Hals steckte

Ich saß auf dem Sofa und aß Nudeln. Plötzlich kam mir ein Gedanke: „Es gibt doch Mädchen, die essen was sie wollen und übergeben sich danach einfach. Vielleicht schaffe ich das ja auch.“ Das war das erste Mal, dass ich mir den Finger in den Hals steckte. Und leider auch nicht das letzte Mal. Ich fing an mich gesund zu ernähren und immer, wenn ich wieder zu den Süßigkeiten gegriffen hatte, verbrachte ich die nächste halbe Stunde im Bad. Generell ging es mir sehr schlecht nach meinem Abitur. Ich war sehr depressiv und hatte die Beziehung mit meinem ersten Freund letztendlich aufgegeben.

Was danach folgte war eine rapide Verschlechterung meiner Krankheit. Essstörung. Eine zweite Stimme in meinem Kopf. Eine Feindin, die nur darauf aus ist mich zu zerstören… und dies auch fast geschafft hätte. Sie hat mir Halt gegeben und mich gleichzeitig in den Abgrund getrieben. Die Diäten wurden extremer. Eine Woche nur mit Kaffee, Saft und Wasser. Alkoholmissbrauch und Selbstverletzung gingen mit ihr einher. Sie ist so komplex, dass sie kaum zu greifen scheint. „Du bist fett. Schau dich mal an. Du hässliches, übergewichtiges Kind. Hör endlich auf zu essen. Du bist selbst Schuld daran, dass du so fett bist.“ Sie macht dich fertig. Doch auf der anderen Seite belohnt sie dich, wenn du wieder 300 Gramm weniger auf der Waage hast. Ich war mir sicher die Kontrolle zu haben. Die größte Selbstlüge.

Höchstens 400 Kalorien am Tag

Ich kam letztendlich in eine psychosomatische Klinik. Eine halbe Stunde am Tag nach draußen (damit ich mich nicht zu viel bewegen konnte), 6 Mahlzeiten am Tag, und 3 Wochen lang keinen Kontakt zur Außenwelt. Es tat mir gut neue Freunde zu gewinnen, doch ich spielte nur mit dem Essen. Ich blieb weiterhin bei meinen höchstens 400 Kalorien am Tag. Nahm weiterhin ab. Mein Therapeut, den ich sehr respektierte, machte mir klar, dass ich meine Sachen packen könnte, wenn ich bis zum nächsten Wiegen nicht 500 Gramm zugenommen haben würde. Das war glaube ich der wichtige Wendepunkt in meinem Leben.

Wenn ich wieder nach Hause gefahren wäre, dann hätte ich keine Chance mehr gegen die falsche Freundin gehabt. Ich wäre ihr ausgeliefert gewesen. Ich wäre unglücklich geblieben. Sie machte mich unglücklich, das wurde mir endlich bewusst. Sie gab mir nichts, sie nahm mir nur. Lebensfreude, Energie, soziale Kontakte. Ich blieb dort fast drei Monate und kämpfte.

Ich werde niemals aufgeben

Das ist jetzt drei Jahre her. Heute bin ich vom Gewicht her wieder im normalen Bereich. Ich höre manchmal noch diese Stimme, „Du bist so fett.“ Doch ich bin stärker geworden. Ich habe Spaß am Essen, gehe ins Fitnessstudio, klettern und tanzen. Allerdings nicht mehr mit dem Ziel abzumagern, sondern um stärker zu werden und ausgeglichen zu sein. So bin ich nicht mehr hilfsbedürftig, sondern unabhängig. Ich studiere und habe Erfolgserlebnisse, gehe arbeiten und führe eine glückliche Beziehung mit meinem damaligen Freund. Ich breche nicht mehr fast zusammen oder werde gefragt, ob ich genug esse. Es ist eine Umstellung und es ist manchmal noch schwer die Stimme zu konfrontieren und ihr zu sagen: „Du bist eine Lügnerin. Ich bin schön, so wie ich bin und ich bin stark.“ Doch ich werde niemals aufgeben.

 

 

 

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