Deine Geschichte

Leas Geschichte

Magersucht, Selbstverletzendes Verhalten, depressive Phasen, Sozialphobie, negative Gedanken, Einsamkeit, Selbsthass. Ich weiß bis heute nicht genau was die Gründe dafür sind, dass mich das Leben so überfordert. Als ich 13 Jahre alt war, habe ich angefangen weniger zu essen, weil ich mich zu dick fand. Ein paar Monate später habe ich mich dann auch das erste Mal selbst verletzt. Ich weiß nicht mehr genau wie alles aufeinander folgte und wie sich das alles entwickelt hat, aber aus dem Wunsch nach Aufmerksamkeit wurde plötzlich eine Sucht mich selbst zu verletzen: es hat den inneren Druck abgebaut, ich konnte mich hassen und selbst bestrafen, wenn ich zu viel gegessen hatte. Dass sich in dieser Zeit zwei wichtige Bezugspersonen von mir abgewandt und ich vier Freundinnen und Bekannte durch Krankheit und Unfall verloren hatte, hat natürlich nicht geholfen.

 

Der Gang zur Psychiaterin

Mit Ende 13 habe ich dann beschlossen eine Pro Ana zu werden und mir sämtliche Internetblogs dazu angeschaut. Ich habe immer mehr abgenommen und wurde immer zurückgezogener und trauriger, habe mich immer mehr verletzt. Meine Eltern haben mich irgendwann zu meinem Arzt und einer Kinder- und Jugendpsychiaterin geschleppt. Die Psychiaterin meinte dann, dass sie mich in eine Klinik einweisen müsse, wenn ich noch 2kg abnehmen würde. Das war der Punkt an dem ich eingesehen habe, dass es so nicht weitergehen kann. Damals war ich 15.

Ich war daraufhin zwei Jahre in Therapie und habe die Magersucht größtenteils besiegt. Trotzdem hatte ich immer noch mit Selbstverletzendem Verhalten, meiner Schüchternheit und meinem Selbsthass zu kämpfen. Mit dem Schneiden aufzuhören war schwerer als gedacht.

 

Erfolgserlebnisse

Nach dem Abitur habe ich ein FSJ in Budapest gemacht. Diese Zeit war sehr heilsam, vor allem weil ich es geschafft habe ein Jahr lang für mich selbst zu sorgen ohne zu hungern und abzunehmen, was mir noch einmal bestätigt hat, dass ich die Magersucht überstanden hatte. Außerdem hatte ich mich in der Zeit über 15 Monate nicht verletzt, länger als jemals zuvor.

 

Mir wurde alles zu viel

Dann habe ich mein Studium begonnen: plötzlich war ich wieder dem Leistungsdruck, den (Selbst-) Zweifeln und meiner Unsicherheit ausgesetzt. Ich habe wieder angefangen mich zu schneiden. Als ich im 3. Semester Religionsunterricht hätte halten müssen, sind bei mir alle Sicherungen durchgebrannt. Ich dachte, ich könnte das schaffen, aber nach der ersten Hospitation bin ich fast verzweifelt. Ich lag tagelang heulend in meinem Bett, konnte und wollte nichts mehr machen, und war in einer ausweglosen Situation: entweder ich müsste mein Studium abbrechen oder Religionsunterricht halten. Beides war keine Option. Zu diesem Zeitpunkt war ich kurz davor alles aufzugeben. Ich konnte einfach nicht mehr. Ich war absolut überfordert und verzweifelt.

Letzten Endes habe ich dann meinen Studiengang gewechselt. Trotzdem musste ich mir eingestehen, dass ich Hilfe brauchte. Ich war schon immer eher zurückhaltend und etwas schüchtern, aber im Laufe der Jahre hatte sich das wohl zu einer Sozialphobie entwickelt. Ich habe panische Angst davor zu telefonieren, vor einer Gruppe von Menschen zu sprechen, habe Angst in Menschenmengen, male mir Horrorszenarien aus und habe Panikgedanken.

 

Ich denke zu viel

Ich denke einfach viel zu viel, überinterpretiere und überanalysiere. Ich kann mit Emotionen nicht umgehen, kann sie nicht ausdrücken, nicht über sie sprechen, sie stauen sich in mir auf, bis alles zu viel wird und ich zusammenbreche. Häufig kämpfe ich immer noch viel mit Selbsthass und Selbstunsicherheit. Aber das ist okay. Seit einem halben Jahr bin ich nun in Therapie und kämpfe gegen den Ozean negativer Gedanken in meinem Kopf, gegen meine Unsicherheit, versuche mit meinen Emotionen klar zu kommen und nicht mehr so viel darüber nachzudenken was andere von mir halten. Das ist nicht immer leicht, es gibt gute und schwere Tage, Schritte nach vorn und Schritte zurück. Ich fühle mich oft wertlos, überflüssig, unfähig, hässlich, nutzlos und unbegabt, kämpfe häufig mit innerer Anspannung, die – wenn sie einmal da ist – schwer wieder loszuwerden ist, ohne mich zu schneiden. Das habe ich mittlerweile aber über 400 Tage irgendwie hinbekommen und werde es auch weiterhin schaffen. Denn ich weiß, dass ich nicht alleine bin. Trotz allen Ängsten, Sorgen und Gedanken stelle ich mich immer wieder neuen Herausforderungen und Lernfeldern, denn ich will mein Leben nicht von meinen Ängsten bestimmen lassen. Es gibt Hoffnung.

 

Du bist nicht allein

Du bist nicht allein! & es ist okay, dass es dir nicht gut geht. Es ist wirklich okay und es ist okay nach Hilfe zu fragen, sich anzuvertrauen. Das Leben ist nicht immer fair, aber wir schaffen das! Wir sind nämlich viel stärker als wir immer denken und wir sind noch viel stärker als es unsere Ängste, Krankheiten oder Gedanken jemals sein könnten. Glaub an dich! Du bist wunderschön, wertvoll, liebenswert und phänomenal.

 

 

 

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