Blog

Ein Brief an meine Depression

Depressionen, Brief

Hallo Depression,

Ich würde dir gerne mal erzählen, was ich von dir halte und davon, dass du dich immer wieder durch meine Gedanken treibst. Eigentlich hätte ich mir gewünscht diesen Brief mit etwas mehr emotionalem Abstand schreiben zu können, aber dafür sind wir uns in den letzten Wochen und Monaten zu oft begegnet.

Mein Leben ist schön!

Die letzten Wochen waren eigentlich sehr schön, ich hatte viele private und berufliche Erfolge und konnte viel Zeit mit meiner Frau und Freunden verbringen. Aber dann bist da noch du. Trotz all dem spüre ich immer wieder einen tiefen Frust in mir, eine Traurigkeit über meine gesamte Existenz, über alles was aktuell um mich herum passiert, alle verpassten Chancen und alle unterschiedlichen Arten, auf die mein Leben anders sein könnte als es gerade ist. Das irritierende daran ist aber, dass mein Leben doch eigentlich sehr schön ist.

Du tauchst immer wieder auf und veränderst meine Gedanken. Ich denke Gedanken, die ich nicht denken möchte. Ich beginne mich selbst zu hassen. Langsam denke ich wirklich, dass du ein negativer Einfluss für mich bist! Du bist gar kein richtiger Freund! Eigentlich ist alles schlechter, wenn du da bist. Wenn du da bist verlerne ich mich zu freuen. Meine Gedanken werden wild und traurig. Ich glaube ich möchte dich gar nicht in meinen Gedanken haben!

Du bist ungreifbar!

Wenn ich mich nicht falsch erinnere habe ich dir sogar schon mal verboten dich in meinen Gedanken aufzuhalten! Aber du bist trotzdem wieder gekommen.

Ich wünschte mir, es gäbe Gesetze, die dir das verbieten könnten. Ich wäre gerne wie ein amerikanischer Farmer in den Westernfilmen: Wenn du meine Gedanken betrittst und mir zu nahe kommst würde ich einfach rufen: „Freeze!“, und wenn du mir dann trotzdem noch näher kommst würde ich dich mit einer Schrotflinte erschießen!

Aber leider bist du nicht einmal greifbar. Ich kann dich nicht angreifen. Es ist ein ungerechter Kampf. Du schluckst alle Freude und Entscheidungsgewalt in meinen Gedanken. Du bewegst dich wie ein riesiges schwarzes Loch durch mein Bewusstsein und saugst alles Licht und Positive in dich auf. Ich habe oft gehört, dass Licht stärker sei als Dunkelheit aber ich habe eben mal nach schwarzen Löchern gegooglet und was ich da sehe sieht nicht nach einem Sieg aus für Licht oder Helligkeit aus.

Warum tust du das? Warum bist du da? Und warum gönnst du mir nicht einmal einen Tag ohne dich?

Es reicht

Ich habe wirklich genug, es ist anstrengend für meine Freunde, für meine Arbeitskollegen und vor allem für mich. Ich bin einfach erschöpft. Jeden Moment, in dem ich froh bin, kann es passieren, dass du plötzlich wieder auftauchst und meine Gedanken übernimmst. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr denke ich, dass ich das nochmal ausprobieren sollte: Dich einfach aus meinen Gedanken rauszujagen. So richtig mit Schrotflinte in der Hand und Cowboyhut auf dem Kopf.

Freeze!

Lass mich in Ruhe!

Runter von meinem Grundstück! Raus aus meinen Gedanken! Ich will deine Stimme nicht mehr hören! Ich will kein schwarzes Loch mehr in meinem Kopf!

Hör auf mir zu sagen, dass ich wertlos bin, dass ich alleine bin, dass ich anstrengend bin, dass ich meine Aufgaben niemals schaffen werde, dass ich immer überfordert sein werde, dass niemand meine Arbeit wertschätzt, dass du stärker bist als ich! Diese ganzen Lügen die du mir die ganze Zeit in den Kopf setzt, ich will nichts mehr davon hören!

Depression, ich hasse dich!

Bitte verpiss dich! –  Gruß Raphael

 

PS: Ich habe Angst dich zu vermissen. Ich fühle mich manchmal wohl in meiner Traurigkeit oder manchmal sogar im Selbstmitleid. Ich habe manchmal das Gefühl ich wäre nicht ich ohne dich…….   Aber bestimmt ist es auch schön ohne dich!

 

 


Wenn du gerade selbst mit Depressionen oder anderen psychischen Herausforderungen kämpfst, haben wir hier für dich die ersten Hilfemöglichkeiten aufgeschrieben und auch einen Brief an dich geschrieben. DU kannst auch andere ermutigen, erzähle Deine Geschichte! Wir freuen uns auch riesig über deine Nachricht oder deinen Kommentar! Wenn dir der Blog gefallen hat, kannst du ihn natürlich gerne liken, teilen und uns auf Facebook und Instagram folgen @theoceaninyourmind.

Kommentar verfassen