Blog

Warum Schwäche zeigen eine Stärke ist

Oft geht es im Leben scheinbar darum, der oder die Starke zu sein. Es scheint keinen Raum für Schwäche zu geben, ansonsten wird man abgehängt. Auch ich kenne dieses Gefühl. Es fing schon in der Schule an. Es fiel mir schwer zuzugeben, wenn ich in einem Fach mal nicht so den Durchblick hatte. Dadurch entstand ein immenser Leistungsdruck, den ich mir allerdings letztlich selbst auferlegt hatte.

Auch im Erwachsenenalter hat sich dieses Gefühl kaum geändert. Es scheint einfach gesellschaftlich nicht akzeptiert zu sein, wenn etwas mal nicht so läuft wie es sollte. Viel zu groß ist die Angst vor der Reaktion meiner Mitmenschen oder auch den daraus resultierenden Konsequenzen.

 

Wie ich mich selbst und andere entlasten kann

Ich habe beschlossen, dass ich so ein Leben nicht führen möchte. Genauso möchte ich für meine Mitmenschen, dass sie in meiner Gegenwart nicht das Gefühl haben müssen etwas aufrecht zu erhalten, was vielleicht gar nicht der Realität entspricht. Ich möchte Teil der Lösung sein und nicht Teil des Problems. Das bedeutet für mich unterschiedliche Dinge:

  1. Hilfe anbieten.

    Es gibt Dinge, die ich kann und mit denen ich anderen helfen kann. Oft ist es einfach nur Zeit oder auch praktische Dinge, wie jemanden abholen oder Sachen für andere zu erledigen. Da wo ich Ressourcen habe, möchte ich diese einsetzen und nutzen und Menschen in meinem Umfeld auch immer wieder gerne anbieten. Dadurch kann ich ich dazu beitragen, andere zu entlasten.

  2. Nach Hilfe fragen.

    Ich habe mir vorgenommen, nach Hilfe zu fragen, wenn ich welche brauche. Bei alltäglichen Dingen aber besonders auch wenn es meiner Seele nicht gut geht. Und tatsächlich: je häufiger man sich bewusst darauf einlässt, desto mehr verschwindet das Gefühl, dass man sich dafür schämen muss oder es selbst nicht wert ist, Hilfe zu bekommen. Wenn du also Hilfe brauchst, egal wie diese aussehen soll, dann scheue dich nicht, danach zu fragen. Sei es im eigenen Freundeskreis oder bei anderen vertrauten Personen oder auch auf professioneller Ebene. Es ist gut und richtig, sich um sich selbst zu kümmern und sich ehrlich einzugestehen, wann man nicht mehr weiterkommt. In anderen Bereichen überlassen wir auch nichts dem Zufall, warum sollten wir es dann mit unserer Seele nicht genauso machen?

  3. Ressourcen realistisch einschätzen.

    Ich habe für mich beschlossen, manchmal auch einfach „nein“ zu sagen. Natürlich gibt es Aufgaben, zu denen man nicht einfach so nein sagen kann. Jeder hat unterschiedliche Verpflichtungen und Lebenssituationen. Trotzdem kann man seine Freizeit und je nach Beruf, diese Zeiten bewusst gestalten. Wenn meine Woche also ziemlich voll war und das Wochenende auch nicht besser aussieht, dann sage ich mittlerweile auch einfach mal Sachen ab und fühle mich nicht schlecht dabei. Schließlich bin ich es, die sonst völlig überfordert und fertig in die neue Woche startet und ich bin nicht mehr bereit, diesen Preis zu zahlen um auf allen Hochzeiten zu tanzen.

 

Natürlich sind all diese Dinge ein Prozess, der sich nicht von jetzt auf gleich ergibt. Für viele dieser Dinge muss ich im Alltag auch kämpfen und nicht selten kommt es doch dazu, dass ich mir selbst nicht eingestehen kann, dass ich es doch nicht unter Kontrolle habe. Trotzdem habe ich für mich beschlossen, dass Schwäche zu zeigen eigentlich wahre Stärke ist.

 

Sich Schwäche einzugestehen befreit

Es ist stark, für sich und seine Bedürfnisse einzustehen und diese auch zu äußern. Das können nur wenige Menschen. Außerdem habe ich meistens erlebt, dass  andere Menschen das was ich von mir als Schwäche empfinde, gar nicht als solche Auffassen. All die vermeintlichen Reaktionen blieben aus.

Auch wenn du professionelle Hilfe brauchst, möchte ich dich ermutigen:  frag danach (weitere Informationen findest du hier: Ich brauche Hilfe! – Was tun?)! Lasst uns gemeinsam unser Umfeld zu einem authentischeren Ort machen in dem es völlig normal und okay ist, auch mal hinzufallen und zu scheitern.

 

 

 


Wenn du gerade selbst mit Angst, Depressionen oder anderen psychischen Herausforderungen kämpfst, haben wir hier für dich die ersten Hilfemöglichkeiten aufgeschrieben und auch einen Brief an dich geschrieben. DU kannst auch andere ermutigen, erzähle Deine Geschichte! Wir freuen uns auch riesig über deine Nachricht oder deinen Kommentar! Wenn dir der Blog gefallen hat, kannst du ihn natürlich gerne liken, teilen und uns auf Facebook und Instagram folgen @theoceaninyourmind.

Kommentar verfassen