Gefühlt möchte einem jeder Mensch grade erzählen, wie man diese Zeit doch nutzen sollte. Du kannst mehr lernen, du kannst mehr machen. Steigere deinen Marktwert. Guck dir alle Youtube Tutorials der ganzen Welt an. Lerne 6 neue Sprachen. Mach jeden Tag zwei Workouts. Putz deine gesamte Wohnung. Rufe drei Mal pro Woche alle Menschen, die du kennst, an. Optimiere dich selbst.

Quarantäne ist, was du daraus machst.

Im Alltag habe ich meistens ein recht hohes Stresslevel. Eine Aufgabe folgt der anderen, Herausforderung nach Herausforderung. Und die ganze Zeit die Verantwortung für Menschen und meinen Job im Nacken. Klar gibt es viele Dinge, die ich schaffe, aber meistens steht direkt das nächste ToDo an. Einen Moment für Stolz nehme ich mir selten.

Nachdem der erste Schock der Selbstisolation erstmal vorbei war, habe ich schnell gemerkt, dass ich mit großen Putzlisten und vielen guten Vorhaben eigentlich nur mein innerliches Stresslevel oben halte. Klar habe ich einen Mehrwert von einer tiefenreinen Küche oder einem sauberen Balkongeländer, aber ein größerer Mehrwert ist für mich, neue Fähigkeiten in Sachen Selbstakzeptanz zu üben.

Erfolgreich wie ein Kleinkind

In meinem Freundeskreis gibt es immer mehr und mehr Kinder. Ich habe die große Ehre von einem sogar Patenonkel sein zu dürfen und liebe es, dieses Kind aufwachsen zu sehen. Eine Sache, die mir schnell aufgefallen ist, ist wie viel Stolz, Ermutigung und Zuspruch man als Kleinkind selbst für den kleinsten Pups bekommen kann.

Andere Freunde von mir haben Kinder im Kindergartenalter, und selbst da gibt es noch Applaus für sehr fragwürdige Kunst oder eine beliebige Körperbewegung, die das Kind selbst als Kunststück definiert. Diese Ermutigung gibt den Kindern ein Selbstbewusstsein und ein Erfolgsgefühl, das zumindest ich doch im Laufe meines Lebens etwas verloren habe.

Das hast du gut gemacht

Ich glaube nicht, dass ich heute jemanden brauche, der mir applaudiert dafür, dass ich mit einem Buntstift fast ein Loch in ein Papier gedrückt habe. Ich glaube aber, dass ich für mich selbst jemand sein kann der sagt „Das hast du Gut gemacht, du gibst dein Bestes.“ Ehrlich gesagt mache ich das aber so gut wie nie, sondern schaue nur auf die Dinge, die noch nicht meinem sehr hohen Maßstab entsprechen

In einer Zeit wo meine Aufgaben und mein Verantwortungspensum plötzlich deutlich niedriger ist, entstehen plötzlich Tage, an denen eine Dusche meine einzige große Leistung war. Das stellt mich vor die Wahl: Soll ich mich mit neuen Aufgaben zuballern oder soll ich die Zeit nutzen und lernen stolz zu sein? Für mich werden die Wochen der physischen Distanz immer mehr zu einer Zeit, in der ich lerne, stolz zu sein. Oder wenigstens zufrieden.

Bereit für den Alltag

Ich will dich ermutigen, wenn du zurzeit mehr Zeit hast, diese zu nutzen einfach mal weniger zu tun. Achte auf die Kleinigkeiten, die du schaffst, und lerne diese Erfolge zu feiern. Lerne vielleicht neu, deine eigene Balance zu finden, wie viel Zeit du wirklich zum Nichts tun brauchst und wie viel produktive Zeit du vielleicht auch benötigst. Ich bin überzeugt, dass die Selbstliebe, der Stolz auf kleine Errungenschaften, die wir uns jetzt aneignen uns eine ganz neue Grundlage für den Alltag geben, der irgendwann wiederkommt.


Wenn du gerade selbst mit Angst, Depressionen oder anderen psychischen Herausforderungen kämpfst, haben wir hier einen Brief an dich geschrieben. DU kannst auch andere ermutigen, erzähle Deine Geschichte! Wir freuen uns auch riesig über deine Nachricht oder deinen Kommentar! Wenn dir der Blog gefallen hat, kannst du ihn natürlich gerne liken, teilen und uns auf Facebook und Instagram folgen @theoceaninyourmind.

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