Deine Geschichte

Jennis Geschichte

Hey! Ich bin mittlerweile 18 Jahre alt und gerade frisch aus der Klinik entlassen. Im September beginne ich mit der Fachoberschule.

Direkt zu sagen was ich erlebt habe ist schwer. Es gab viele unterschiedliche Ursachen  für meine Depression (Mobbing, Krankheiten der Eltern,…). Und was genau alles passiert ist spielt eigentlich auch keine Rolle. Wichtig ist, was es mit mir gemacht hat.

Ich lebte nach den Lügen in meinem Kopf

Ich habe Denkmuster entwickelt, die mich Tag für Tag zerstört haben. Sie haben mir jegliche Kraft zum Leben geraubt. Doch das Schlimmste daran war, dass ich sie als selbstverständlich und wahr angenommen habe. Jeden Tag durfte mein inneres Monster mich beleidigen, runter machen, meinen Antrieb nehmen und mich komplett vereinsamen, und ich habe ihm alles einfach so geglaubt.

„Ja ich weiß ich bin hässlich.“,“Ja ich weiß ich kann nichts und ich bin dumm.“ und „Ja ich weiß… ich kann jede Sekunde ersetzt werden. Ich strenge mich ja schon mehr an, damit niemand sieht, wie wertlos ich bin und dass ich nichts kann. ICH STRENG MICH AN.“Also habe ich weiter dafür gekämpft, endlich genug zu sein. Alles in mir war schon völlig am Ende. Bis ganz leise die Hoffnung sagte: „Hey, wir waren doch schon mal glücklich. Bitte lass es uns nochmal versuchen.“.

Mein größter Erfolg war es mir Hilfe zu holen.

Man kann sich nicht selbst therapieren… Das habe ich lang genug versucht. Ich war schon immer sehr kämpferisch. Dadurch war für mich auch einer der entscheidendsten Schritte zu sagen, dass ich auch Fehler machen darf. Ich darf auch in meine Depression verfallen. Ich darf wieder mal einen halben Tag lang schlafen. Ich darf für einen kleinen Moment wieder innerlich aufgeben. Es ist absolut okay. Aber ich stehe danach wieder auf.

Ich schreibe mir auf, dass das meine Krankheit ist, die mir sagt das ich nichts kann (auch wenn sie SCHEINBAR recht hat). Ich schreibe auf, dass ich jetzt wieder die Sonne sehen will. Und dann mache ich das Fenster auf und schaue einfach bisschen in den Himmel. Und der letzte und wichtigste Punkt: Ich hole mir Hilfe, denn ich bin krank. Ich stelle mir meine Genesung wie ein Fußballspiel vor. Mal mache ich ein Tor und mal die Depression. Und es ist okay wenn sie mal in Führung ist. Ich werde schon wieder aufholen! Dieses nächste Tor hole ich mir… JETZT stehe ich auf und hole mir dieses eine Tor! TOR!

Ich bin nicht das Problem.

Was mir auch unfassbar geholfen hat war zu sehen, dass es tatsächlich Leute gibt die genauso hoffnungslos und leer sind wie ich. Einfach nicht mehr „anders“ zu sein, sondern zu sehen, dass das wirklich eine Krankheit ist, die behandelbar ist. Ich bin nicht das Problem. Mit mir stimmt alles. Ich bin gerade einfach nur krank.

Als ich Zuhause war und verzweifelt versucht habe, meinem Freund zu erklären wie ich mich fühle, habe ich immer einen Satz gesagt. Diesen Satz hatte ich nicht aus dem Internet oder so… so habe ich mich einfach gefühlt. Und als ich in die Klinik kam, sagte ein Mädchen genau diesen Satz um ihre Gefühle zu beschreiben: „Ich lebe nicht mehr. Ich existiere nur.“ Ich war wie versteinert. Ich war nicht allein. Wir sind nicht allein. Und wir können alle wieder gesund werden.

Du kannst das wirklich schaffen!

Ich weiß wie unfassbar hoffnungslos dir die Situation erscheint. Und gerade daran, dass du kaum glauben kannst,  irgendwann wieder glücklich werden zu können, siehst du, dass es eine Krankheit ist. Ich weiß, alles sieht schlecht aus und, wie soll man denn schon gesund werden, wenn man innerlich tot ist?! Ich weiß wie du fühlst! Und es ist verständlich, dass du so nicht leben willst, aber das musst du nicht mehr. Denn du holst dir Hilfe. Egal von wo. Ob Eltern, Freunde, Hausartzt oder Therapeuten, ist egal. Und wenn du noch einmal auf dich vertraust, noch einmal den Mut aufbringst, an das Gute zu glauben, dann wirst du gut behandelt werden können!

Trau dich! Du kannst das wirklich schaffen. Du wirst das schaffen! Das Einzige, was du jetzt erstmal dafür tun kannst, ist daran zu glauben, dass du gesund werden kannst. Glaub es! Wenigstens für 3 Minuten. Und in diesen 3 Minuten setzt du die Entscheidung für deine Genesung und holst dir Hilfe. Und ja, es ist nicht leicht da raus zu kommen, ich weiß. Aber es wird so wundervoll, gerade weil es schwer wird. Umso steiler der Berg, umso schöner die Aussicht. Und hier oben ist es der Hammer!

Mut ist nicht immer ein lauter Schrei. Manchmal ist Mut auch eine leise Stimme am Ende des Tages die sagt:“Morgen versuche ich es wieder.“. Dieses eine Tor kannst du dir holen. Fühl dich ganz fest umarmt.


Wenn du gerade selbst mit Angst, Depressionen oder anderen psychischen Herausforderungen kämpfst, haben wir hier einen Brief an dich geschrieben. DU kannst auch andere ermutigen, erzähle Deine Geschichte! Wir freuen uns auch riesig über deine Nachricht oder deinen Kommentar! Wenn dir der Blog gefallen hat, kannst du ihn natürlich gerne liken, teilen und uns auf Facebook und Instagram folgen @theoceaninyourmind.

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