Fenjas Geschichte

Hallo, ich bin Fenja. Ich bin dieses Jahr 20 Jahre alt geworden. Seit nun fast 2 Jahren habe ich keine geregelte Tagesstruktur mehr, da ich unter anderem mit vielen Ängsten zu kämpfen habe. Es hat alles angefangen als ich 12 war, ich bin schon immer ein sehr ängstlicher Mensch gewesen, was sich durch die Schulzeit weiter verschlimmerte. Ich entwickelte zum Beispiel sehr starke Prüfungsangst und konnte bei Arbeiten nichts mehr von den gefragten Themen abrufen, auch wenn ich die Antworten eigentlich wusste. Außerdem habe ich mich nie getraut mich zu melden oder Vorträge zu halten.

Mit der Zeit ging es mir psychisch immer schlechter, der Druck in mir wurde immer größer und ich habe schließlich angefangen mich selbst zu verletzen. Meine Noten wurden schlimmer und ich musste auf die Realschule wechseln. Diese Zeit war für mich die Hölle. Jeden Abend habe ich mich in den Schlaf geweint und mich täglich selbst verletzt. Nach ein paar Wochen bin ich dann zu einer Schulsozialarbeiterin gegangen und habe ihr von meinen Suizidgedanken erzählt. Sie hat danach direkt meine Eltern angerufen und gesagt, dass ich unbedingt Hilfe bräuchte.

Es folgte eine Therapie der nächsten

Mit 13 war ich dann das erste Mal in der Psychiatrie auf einer geschlossenen Jugendstation. Ich konnte überhaupt nicht mit der Situation dort umgehen, weil ich sehr starke Probleme damit habe auf andere zuzugehen. Um ehrlich zu sein, haben sich meine Probleme dort noch mehr verstärkt. Nach diesem Aufenthalt wechselte ich in eine Tagesklinik. Am Anfang hat mir diese Therapie sehr geholfen, weil ich dort weiterhin in meinem bekannten Umfeld war und zu Hause wohnen konnte.

Man verschrieb mir ein Antidepressivum und Tabletten, die mir helfen sollten besser schlafen zu können. Leider war die Langzeitwirkung der beiden Tabletten nicht sonderlich positiv. Durch das Schlafmedikament habe ich sehr stark zu genommen und durch das Antidepressivum verlor ich mein Risikobewusstsein, was meine Suizidgedanken noch schlimmer machte. Letztendlich hat es dazu geführt, dass ich mich tiefer verletzt habe und eine Überdosis an Tabletten zu mir nahm. Durch die Überdosis musste ich dann auf die Intensivstation (genauerer Erinnerungen habe ich an diese Tage nicht mehr). 

Anschließend bin ich dann wieder auf eine geschlossene Station der Psychiatrie gekommen. Nach 3 Monaten dort wurde ich in eine Intensiv-Wohngruppe eingegliedert. Die Zeit dort war im Nachhinein eigentlich ziemlich schön, wir haben dort viel zusammen unternommen und ich konnte zwischendurch sogar wieder in die Schule gehen.

Die Pandemie hat mir die Struktur wieder genommen

Nach elf Monaten zog ich jedoch wieder zurück nach Hause. Durch die die Entfernung hatte ich fürchterliches Heimweh und wegen meiner Verletzungen musste ich zu häufig ins Krankenhaus. Natürlich blieb es meinen Eltern nicht verborgen, dass ich mich immer noch regelmäßig selbst verletzte. Sie wiesen mich deshalb in eine stationäre DBT Therapie (eine Therapieform zur Behandlung von Patient:innen, die zur Selbst- oder Fremdgefährdung neigen) ein. 

Dort verbrachte ich mehrere Monate, die mir wirklich gut taten und meinem Leben eine Struktur gaben. Von dort ging ich wieder in eine Intensiv-Wohngruppe und durfte als ich 18 geworden bin endlich wieder nach Hause, eine riesen Erleichterung. Doch dann fing Corona an.

Seit dem hat mein Fortschritt eigentlich stagniert. Die depressiven Phasen sind seitdem eher ein Dauerzustand und die Ängste sind noch viel schlimmer geworden. Außerdem habe ich durch die Pandemie seit 2 Jahren keine Tagesstruktur mehr, weil ich es einfach nicht schaffe, die Kraft aufzubringen die Struktur immer wieder neu aus mir selbst heraus zu entwickeln. 

Ich will mir das Leben weiter erkämpfen

Aktuell ist für mich ist eigentlich jeder Tag ein Erfolg, an dem ich es schaffe aus dem Bett zu kommen und zu anderen Leuten Kontakt zu haben (auch wenn es nur im Internet ist). Ich denke viele denken, dass sie mit ihren Problemen alleine sind, aber das ist nicht so. Es ist gut, wenn man jemanden findet mit dem man reden oder schreiben kann. Mir hat da z.B. U25 sehr geholfen (ist komplett anonym). 

Außerdem hilft mir Musik sehr, besonders Lieder, die mir das Gefühl geben nicht alleine zu sein (z.B. Life goes on von Stefanie Heinzmann). Außerdem kaufe ich mir manchmal Konzertkarten, quasi als “Lichtblick”. Wenn ich dann mal wieder Suizidgedanken habe, versuche ich mir immer vor Augen zu halten, dass es sich lohnt weiter durchzuhalten um solche schönen Momente weiter erleben zu können. Ich möchte weiter jeden Tag überstehen und ich glaube daran, dass es sich lohnt nicht aufzugeben. Und das wünsche ich mir für Dich auch, Du bist nicht allein.



Wenn du gerade selbst mit Angst, Depressionen oder anderen psychischen Herausforderungen kämpfst, haben wir hier einen Brief an dich geschrieben. DU kannst auch andere ermutigen, erzähle Deine Geschichte! Wir freuen uns auch riesig über deine Nachricht oder deinen Kommentar! Wenn dir der Blog gefallen hat, kannst du ihn natürlich gerne liken, teilen und uns auf Facebook und Instagram folgen @theoceaninyourmind.
 

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