Wie ich Weihnachten mit meiner Angststörung verbracht habe

Stress, Essen, Druck, aber auch Freude und Heimat — das verbinde ich mit Weihnachten. Für die meisten Menschen ist Weihnachten ein Fest der Freude, bei dem man die Familie wiedersieht, sich beschenkt und eine schöne Zeit verbringt. Manche Menschen können jedoch diese Zeit nicht mit ihren Liebsten verbringen und sind vielleicht über die Tage auch allein. Und auch für Menschen, die mit psychischen Problemen zu kämpfen haben, kann die Weihnachtszeit schwierig zu bewältigen sein. So ähnlich ist es auch bei mir.

Bereits vor den Weihnachtsfeiertagen bereitet mir meine Angststörung besonders Probleme. Das Pflegen von Sozialkontakten gestaltet sich als schwierig und die Überforderung überkommt mich schnell. Ich verließ kaum das Haus, ich konnte nicht. Jeder Kontakt zu anderen Menschen war mir zu viel und überforderte mich. Ich konnte die Zeit nicht genießen und alles, was ich empfinden konnte war Angst und Hilfslosigkeit. Doch bald war Weihnachten und ich wusste, dass ich dieses mit meiner Familie in der Heimat verbringen würde. Es lag also ein enormer Leidensdruck auf mir, bei dem ich nicht wusste, wie ich diesen kompensieren kann.

Ich will mich verkriechen, aber es ist ja Weihnachten

An sich habe ich Glück gehabt, ich habe eine Familie, die zu den Weihnachtsfeiertagen zusammensitzt, isst und sich beschenkt. Von außen gesehen ein Weihnachten wie man es den meisten Menschen wünscht. Leider kann ich es gar nicht genießen. Denn obwohl die Situation harmonisch wirkt, staut sich in mir die Angst. Ich fühle mich nicht in der Lage andere Menschen zu treffen. Allein der Gedanke daran überfordert mich bereits. Aber es ist Weihnachten und ich fühle mich verpflichtet ein fröhliches Gesicht aufzusetzen und zu versuchen mir nichts anmerken zu lassen. 

So sitze ich also beim Essen an einem Tisch mit 8 weiteren Personen und bin total abwesend. Es werden 3 verschiedene Gespräche geführt, im Hintergrund spielen zwei Kinder. Ich merke, wie die Geräusche zuerst immer lauter und dann irgendwann immer leise und dumpfer werden. Der Tinnitus setzt ein und ich merke, dass mir das Atmen schwerfällt. Meine Angst überkommt mich und ich weiß genau ich bekomme eine Panikattacke. Ich bemerke nicht, was in meiner Umgebung passiert und will nur noch weg. Ich verlasse flüchtig den Raum und gehe in ein anderes Zimmer. Einatmen — ausatmen. 

Du darfst Dir immer Deinen Freiraum nehmen

Ich machte mir selbst Vorwürfe, dass Weihnachten doch eine schöne Zeit sein sollte und es mir gut gehen sollte. Aber ich merke schnell: ich habe mir das nicht ausgesucht. Es ist schwierig für mich mit diesen Situationen zurecht zu kommen, aber ich darf mich dafür nicht schlecht oder schuldig fühlen.

Es ist völlig okay sich auch an solchen Tagen nicht gut zu fühlen. Es ist okay überwältigt zu sein und es ist okay sich aus Situationen zu entziehen. Es ist wichtig auf sich und seinen Körper zu hören und dem nachzugehen was man braucht. Ich enttäusche niemanden und es ist mein Recht, mich aus unangenehmen Situationen zu entziehen. Ich muss für niemanden stark sein und damit Grenzen überschreiten. 

Und obwohl Weihnachten für mich sehr überwältigend und anstrengend war, bin ich dankbar für meine Familie und stolz auf mich, dass ich es durchgestanden habe. Und trotzdem war es insgesamt, trotz der schwierigen Situationen, eigentlich eine Zeit, die ich nicht missen wollen würde. Es ist wichtig auf den eigenen Körper zu hören und den eigenen Bedürfnissen nachzugehen. Und es ist wichtig sich bewusst zu machen, dass man sich immer entziehen kann, wenn man das möchte. Und mit dieser Möglichkeit und dem Wissen fällt es leichter die Zeit auch ein wenig genießen zu können. 




Wenn du gerade selbst mit Angst, Depressionen oder anderen psychischen Herausforderungen kämpfst, haben wir hier einen Brief an dich geschrieben. DU kannst auch andere ermutigen, erzähle Deine Geschichte! Wir freuen uns auch riesig über deine Nachricht oder deinen Kommentar! Wenn dir der Blog gefallen hat, kannst du ihn natürlich gerne liken, teilen und uns auf Facebook und Instagram folgen @theoceaninyoumind




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