Was mache ich, während ich auf einen Therapieplatz warte?

Kurz vorweg, wenn du merkst, dass du allein nicht weiterkommst, ständig niedergeschlagen bist, Angstzustände hast oder sogar Suizidgedanken, solltest du Hilfe in Anspruch nehmen. Wie du in ambulante oder stationäre Behandlung kommen kannst, erfährst du auf unserer Hilfe Seite. Wenn du schon auf einer Warteliste stehst und akut Hilfe brauchst findest du auf der Hilfe Seite auch andere Anlaufstellen.

Ich selbst hatte auf der Suche nach einem Therapieplatz damals so viel Glück, das ich mich fast schon etwas dafür schäme. Ich hatte innerhalb von zwei Wochen zwei Probesitzungen und hätte bei beiden direkt eine Therapie starten können. Du kannst also auch echt Glück haben, typischer ist aber leider mehrere Wochen bis Monate warten zu müssen. Auf einen Therapieplatz zu warten ist keine schöne Situation. Für die meisten ist der Weg nach einer Therapie zu suchen schon lang und schwer genug gewesen und die Hilfe wird ja nicht erst irgendwann, sondern genau jetzt benötigt.

Also was machst du, bis die Therapie startet? Du brauchst jetzt Hilfe und willst, dass deine Situation besser wird? Ich habe dir hier drei Tipps aufgeschrieben, die mir geholfen haben/ hätten in der Zeit in der ich nicht in Therapie war. 

  1. Der Notfallkoffer

Mein erster Tipp ist ein Klassiker, der Notfallkoffer. Vielleicht hast du schon mal von Skills gehört, wenn nicht kannst du hier mehr darüber lesen: „Was sind überhaupt Skills?“. Skills sind Techniken, um eine Situation besser zu überstehen. Ein Notfallkoffer ist eine Sammlung dieser Techniken, die du immer bei dir trägst. Auch hierzu kannst du mehr lesen in unserem Post „Dein Notfallkoffer, wenn der Druck zu hoch wird“. 

Mein eigener Koffer ist eine kleine Pappschachtel die ich immer in meinem Rucksack habe, darin sind:

  • Zwei kleine magnetische Akupressurkugeln 
  • Ein Fidgetspinner
  • Tigerbalsam
  • Eine Hitzecreme, die auf der Haut brennt
  • Chilis
  • Etwas Musik 
  • Selbstanalyse von Emotionen – Arbeitsblatt
  • Eine Gesichtsmaske
  • Zettel mit einfachen Erinnerungen „Du kannst heimgehen, wenn es dir nicht gut geht, sag einfach nur, dass es dir nicht gut geht und du heim musst“, „Diesen Freunden kannst du schreiben…“, „Egal wie du dich gerade fühlst, du bist wertvoll und geliebt“

Ich habe über die Jahre gemerkt, dass es nur ein sehr kurzes Zeitfenster gibt, in dem ich schon bemerke, dass es mir nicht gut geht und mich noch nicht komplett abschotte und verschließe. Ich habe dafür eine kleine Technik entwickelt. Ich habe eine Freundin, der ich in genau diesem Zeitfenster schreiben kann, ohne weitere Verpflichtungen und sie schreibt mir nach einer abgemachten Zeit zurück und fragt, ob ich mich um mich selbst gekümmert habe. Vielleicht hilft dir diese Taktik, ein Skill aus meinem Notfallkoffer oder du hast zumindest eine neue Idee.

  1. Deine Therapieziele

Mein zweiter Tipp ist: schreib dir deine Therapieziele jetzt schon auf. Ich weiß noch, dass ich etwas Zeit dafür gebraucht habe zu Therapiebeginn meine Ziele zu formulieren. Erstmal war es einfach nur „Ich will mich nicht mehr selbst verletzen, wenn es mir schlecht geht“. Je genauer ich aber formuliert habe, welche Muster ich erkenne desto einfacher wurde es auch daran zu arbeiten. In meiner finalen Version der Therapieziele stehen Sätze wie: „Ich will in eine gesunde Beziehung mit mir selbst und meinen Ressourcen kommen“, „Ich will weder mich selbst, noch andere über ihre Leistungen definieren“, „Ich will bessere Freundschaften führen und mich selbst nicht ausschließen“.

All diese neuen Sätze waren messbar und haben definiert was mich in schwierige Situationen bringt oder mir helfen würde rauszukommen. Ich weiß heute, wenn ich etwas geschafft habe, muss ich mich bewusst dafür entscheiden mich darüber zu freuen. Ich weiß heute, wenn ich das Gefühl habe meine Freunde mögen mich nicht probiere ich erstmal aus in die Beziehung zu investieren; vielleicht habe ich mich nämlich abgeschottet oder die Freundschaft ist einfach im Alltag etwas aus dem Blick geraten. Mir haben diese Ziele geholfen mich besser zu verstehen und ich lese sie heute immer wieder durch, um zu gucken, ob ich mich immer noch in die Richtung meiner Ziele bewege.

  1. Achtsamkeit

Mein dritter Tipp ist grob gesagt: Achtsamkeit. Ich weiß, dass der Begriff mit dem ganzen Hype für manche*n an Bedeutung verliert. Ich meine damit im Hier und Jetzt leben, die Gedanken nicht überhand gewinnen zu lassen und reflektiert zu leben. Mir helfen dabei Atemübungen oder angeleitete Meditationen, für mich ist dafür die App Headspace am Besten. Ich probiere jeden Tag mit einer Meditation oder in meinem Fall auch etwas Bibel lesen und einem Gebet zu starten. Wenn ich im Laufe des Tages bemerke, dass ich in Stress gerate probiere ich einfach ein paar Mal tief Ein- und Auszuatmen und darauf zu achten, wie sich der Atem in meinem Körper anfühlt.

Ich kann auch nur empfehlen, dass du dir hin und wieder Zeit nimmst für Reflektion. Ich habe vor einem Jahr mal „Meine 10 besten Reflexionsfragen“ in einen Blogpost aufgeschrieben. Dafür musst du dir natürlich Zeit nehmen, aber es kann helfen Muster zu erkennen oder positive Entwicklungen besser wahrzunehmen. Ich bin noch ein paar Schritte weiter gegangen um etwas besser im Hier und Jetzt zu leben. Ich habe mein Handy auf schwarz/weiß gestellt, Instagram, Facebook, TikTok usw deinstalliert und mache regelmäßig einen kompletten Tag ohne mein Handy. Ich merke, dass es mich entschleunigt und mir hilft mich besser zu fühlen.

Ich wünsche dir von Herzen, dass du schnell zu einem Therapieplatz kommst, und hoffe meine drei Tipps helfen dir, die Zeit bis dahin besser zu überstehen.




Wenn du gerade selbst mit Angst, Depressionen oder anderen psychischen Herausforderungen kämpfst, haben wir hier einen Brief an dich geschrieben. DU kannst auch andere ermutigen, erzähle Deine Geschichte! Wir freuen uns auch riesig über deine Nachricht oder deinen Kommentar! Wenn dir der Blog gefallen hat, kannst du ihn natürlich gerne liken, teilen und uns auf Facebook und Instagram folgen @theoceaninyoumind

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