Deine Geschichte

Sinas Geschichte

Panik, Angst, Therapie

Mein Name ist Sina, ich bin 21 Jahre alt. Depressionen und chronische Ängste waren in meinem Leben eigentlich schon immer ein Thema, aber lange habe ich es nicht wirklich wahrgenommen.

Die Pubertät setzte bei mir sehr schnell und sehr intensiv ein. Von Angst war damals keine Spur. Sehr früh wollte ich alles ausprobieren und alle meine Grenzen überschreiten. Erst fing ich mit dem Rauchen an, dann kam der Alkohol, die Partys und kurz danach habe ich angefangen zu kiffen.

Das setzte sich dann mehrere Jahre fort. Ich bin von zuhause abgehauen, wollte keine Party auslassen. Bald habe ich jeden Tag gekifft, fing an meine Eltern zu belügen und zu beklauen um mir mein Gras kaufen zu können. Ich dachte immer ich würde so alles richtig machen. Ich dachte meine Familie wäre das Problem. Unterbewusst habe ich mich immer schrecklich gefühlt. Mich selbst verletzt und nur gegessen um es danach wieder auszukotzen.

Meine Mutter hat mich oft dabei erwischt. Sie weinte oft wegen mir, dennoch dachte ich ich sei hier die Leidtragende. Machte weiter. Dann kamen die Drogen. Ich hatte mich in einen jungen Mann verliebt, war nur noch bei ihm. Die Schule hatte ich längst abgeschrieben. Wir haben oft zusammen Drogen genommen. Die Partys wurden intensiver. Tagelang wach, immer unterwegs, immer zusammen drauf. Es wurde immer exzessiver, immer surrealer, wie im Film.

 

Es fühlte sich richtig an

Für einen Moment fühlte es sich so richtig an, es fühlte sich so besonders an, das musste die wahre Jugend sein, so sollte es jeder erleben, sich die Freiheit erkämpfen und einfach über das hinwegsetzen was die Eltern sagen.

Ich ging nicht mehr nach Hause, machte mein Handy aus. Ob sich meine Familie Sorgen machte war mir egal. Ob ich zur Schule musste war mir egal. Ich wollte einfach was erleben. Anders sein, aus der Reihe fallen. Dann, irgendwann, brach das Kartenhaus plötzlich zusammen. Mein Freund veränderte sich und wurde krank. Er bekam eine Psychose, wurde manisch. Er fing an mich zu verfolgen, fing an mich zu bedrängen.

Mein Film nahm auf einmal eine drastische Wendung. Auf einmal wachte ich auf, auf einmal fühlte sich das alles gar nicht mehr richtig an. Plötzlich war ich allein. Ich wusste nicht mehr weiter. In der Schule hatte ich versagt, meine Familie war nur enttäuscht von mir und wollte das ich ausziehe. Meine Freunde hatte ich für diese Beziehung im Stich gelassen.

Ich war gefangen in einem Netz aus Lügen und wusste nicht mehr wo ich hin soll.

 

Angst

Gekrümmt vor Schmerz, weil mir plötzlich klar wurde was ich meinen Eltern und mir selbst zugemutet hatte, in was für einer Lage ich mich befand. Es ging eine lange Reise los. Langsam ging es bergauf. Mit chemischen Drogen hatte ich aufgehört, aber das Kiffen konnte ich nicht lassen. Ich hatte meinen Abschluss gemacht und mich mit meiner Familie vertragen. Als mein Vater dann aber wegen Depressionen in eine Klinik musste und meine Eltern sich plötzlich getrennt hatten, schlug wieder alles um.

Dann gingen auch bei mir plötzlich die Ängste los. Panik über die Zukunft, Panik vor Menschen, Panik vor allem. Die Angst wollte mich zurückhalten von dem, was mein Leben für mich bereithielt. Ich war so weit zu mir selbst zurück gekommen, hatte mich so sehr gefunden und genau da ging es wieder bergab.

Wenn die Angst kommt ist man wie gelähmt.

Sie durchflutet den ganzen Körper, die Gedanken, die Sinne, die Seele. Plötzlich ist da nur noch Angst. Angst davor, an öffentlichen Orten in Ohnmacht zu fallen. Angst davor, die Stimme zu verlieren, Angst vor Menschen, Angst vor der Angst.

 

Therapie

Ich wollte damit nicht leben und begann eine Therapie. Nach sechs Jahren täglichem Konsum hatte ich es nun endlich geschafft auch mit dem Kiffen aufzuhören. Mein Alltag veränderte sich. Ich stellte mich der Angst, setzte mich bewusst Situationen aus, denen ich mich nicht gewachsen fühlte. Ich übte Vergebung. Vergebung für mich und Vergebung für die Leute, die mich verletzt hatten.

Ich fühlte die Vergebung. Ich fühlte mich neu, frei, geheilt. Was für ein unfassbares Gefühl.

Es ist immer noch ein Prozess. Ich muss immer noch lernen, mich selbst immer wieder neu zu lieben und nicht in alte Muster zu fallen. Doch ich weiß, dass ich nicht alleine bin.

 

 


Wenn du gerade selbst mit Angst, Depressionen oder anderen psychischen Herausforderungen kämpfst, haben wir hier für dich die ersten Hilfemöglichkeiten aufgeschrieben und auch einen Brief an dich geschrieben. DU kannst auch andere ermutigen, erzähle Deine Geschichte! Wir freuen uns auch riesig über deine Nachricht oder deinen Kommentar! Wenn dir der Blog gefallen hat, kannst du ihn natürlich gerne liken, teilen und uns auf Facebook und Instagram folgen @theoceaninyourmind.

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