Deine Geschichte

Mellys Geschichte

Mein Name ist Melly, ich bin 17 Jahre alt und stehe ein Jahr vor meinem Abi. Ich bin keine Einserschülerin und die Schule ist auch definitiv nicht mein Lieblingsort. Ich lebe für meine Tiere und reite seitdem ich ein kleines Mädchen bin. Das gibt mir Kraft.

Ich bin ohne Vater aufgewachsen, da er nie etwas von mir wissen wollte und ich habe auch kein Interesse so einen Menschen kennen zu lernen. Ich habe es eigentlich nie vermisst, eine Vaterfigur zu haben, da ich immer meine Mama und meine Oma als Bezugspersonen hatte. Aber eines Tages hat meine Mutter einen neuen Mann mit nachhause gebracht. Ich war drei Jahre alt und wusste schon, dass das kein guter Mensch war. Ich hatte kein gutes Gefühl dabei. Anfangs ging es noch ganz gut, aber als dann meine kleine Schwester auf die Welt kam änderte sich alles.

Ich war das Opfer, aber fühlte mich schuldig.

Dieser Mann hat mich wirklich spüren lassen, dass ich nicht seine eigene Tochter bin. Irgendwann hat er angefangen mich nur noch anzubrüllen. Er hat mich auch geschlagen und getreten. Als meine Mutter das erfuhr, ging die Ehe auf lange Sicht in die Brüche, aber für mich war es schon zu spät. Ein kleines Mädchen, geprägt für ihr ganzes Leben. Ich fing an mir an allem die Schuld zu geben, ich war ja schließlich der Grund warum meine Mama unglücklich war. Ich fing an mich selbst zu hassen und mein Selbstwertgefühl wurde immer geringer.

Meine Freundeskreise wechselten ständig und auch Mobbing war auf der Tagesordnung. Irgendwann habe ich mich dann entschlossen eine Therapie zu beginnen, aber auch die hat mir nicht wirklich geholfen. Der Selbsthass wurde immer größer. Am 30 September 2018 starb dann mein erstes eigenes Pferd, meine beste Freundin, die mir immer durch diese schweren Zeiten hindurch geholfen hatte. Sie war einfach weg. Das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen.

Mir ging es immer schlechter, ich hörte auf zu essen und zu trinken und war Dauergast beim Arzt. Ich wurde krank, aber meine Freundin hatten kein Verständnis dafür. Ich war bloß die Blöde, die sich nicht so anstellen soll. Daraufhin entschied ich mich von diesen „Freunden“ zu distanzieren. Zwar war ich dann ganz allein, aber es ging mir zeitweilig besser. Doch dann kam die Krankheit die mich zu Boden drückte. Ich war ständig im Krankenhaus. Schließlich wurde mir die Gallenblase entfernt. Nach der OP ging es mir richtig schlecht. Ich hatte wahnsinnige Schmerzen.

Ich wollte den Kampf aufgeben

Ich wollte nicht mehr. Doch meine Mutter und mein Freund, den ich kurz vorher kennengelernt habe, haben das nicht zugelassen. Sie haben mir aufgeholfen. Ich habe mich gefühlt wie eine Sonnenblume, die zu wenig Sonnenlicht bekommt. Es wurde aber irgendwie nicht besser, denn mein anderes Pferd wurde auch krank. Die Schule belastete mich ungemein und machte mich psychisch krank. Ich fing an mich zu ritzen. Ich habe versucht meinen psychischen Schmerz mit physischem Schmerz zu kompensieren. Für eine Weile schien es mir wie die Hilfe die ich brauchte, aber es hat nicht nur mich, sondern auch meine Familie verletzt.

Ich fühle mich wie eine Blume in einer Welt voller Unkraut. Das Unkraut versucht die Blume zu zerstören und ihr die letzten Nährstoffe zu rauben, aber die Blume kämpft. Für mich ist es auch jetzt unheimlich schwer und ich habe oft schlechte Tage, aber ich versuche weiter zu machen und irgendwann kommt hoffentlich wieder ein Sonnenstrahl durch die dicke, schwarze Wolkendecke und hilft der Sonnenblume wieder Kraft zu tanken.

Lasst uns niemals aufhören zu kämpfen

Ich war schon immer ein Tier-Freak. Tiere geben mir das, was Menschen mir nie geben könnten. Sie hören einem zu und nehmen einen so wie man ist, und wenn man genau hinsieht, dann kann man auch sehen was sie wollen. Ich bin stolz darauf, dass ich mit Tieren so gut umgehen kann und dass die Tiere mich auch lieben. Diese Wesen geben mir wirklich ehrliche und wahre Liebe und dafür bin ich sehr dankbar. An sich sehe ich mich als sehr starke Frau, da ich alles was bisher passiert ist in meinen jungen Jahren überstanden habe und ich Menschen an meiner Seite habe, die mich nie im Stich lassen würden.

Ich kann nur jedem Mädchen, Jungen, Frau und Mann da draußen sagen, die in ihrem Leben schon mit Gewalt und Verständnislosigkeit klar kommen mussten: Versucht weiter zu machen! Es gibt Menschen da draußen die euch brauchen auch wenn es nicht so scheint. Denkt an die Blume. Ihr seid alle Blumen, die versuchen das Unkraut zu besiegen. Wenn sie lange genug kämpfen, dann können sie es auch schaffen und werden schöner und stärker blühen als je zuvor.


Wenn du gerade selbst mit Angst, Depressionen oder anderen psychischen Herausforderungen kämpfst, haben wir hier einen Brief an dich geschrieben. DU kannst auch andere ermutigen, erzähle Deine Geschichte! Wir freuen uns auch riesig über deine Nachricht oder deinen Kommentar! Wenn dir der Blog gefallen hat, kannst du ihn natürlich gerne liken, teilen und uns auf Facebook und Instagram folgen @theoceaninyourmind.

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