Ich bin Romy, 20 Jahre alt und bin momentan viel unterwegs, da ich letzten Juli die Schule abgeschlossen habe. Seit meiner frühen Jugend war ich bereits oft mit psychischen Erkrankungen konfrontiert.

In meinem Bekanntenkreis waren einige, die Depressionen hatten, oder noch haben. Bei manchen sind daraus Suizidgedanken entstanden, bei anderen sogar Versuche. 

Ich begann, mein Leben zu hinterfragen

Ich habe mir immer öfter die Frage gestellt, wie ich damit umgehen würde, wenn vor meinen Augen jemand Suizid begehen wollen würde, und was die angebrachteste Reaktion darauf wäre. Deshalb habe ich mich immer tiefer mit dem Thema Suizid und psychischen Erkrankungen beschäftigt, indem ich zum Beispiel Ratgeberbücher gelesen habe.

Ich begann, mir selbst Fragen zu stellen wie „Was wäre, wenn ich in ein paar Stunden nicht mehr leben würde?“ oder „Warum lebe ich noch? Was ist der Grund?“. Diese Gedankenspiele hatten bis dahin noch keinen negativen Nebeneffekt auf mich.

Dann kam die Nachricht, die alles drehte.

Und plötzlich war es passiert. Eine meiner Freundinnen war an einem erneut durchgeführten Suizidversuch gestorben. Meine Gefühle waren komplett durcheinander. Die ersten Tage bis zur Beerdigung weinte ich fast durchgehend.

Der Tag der Beerdigung war für mich einzigartig, dort habe ich das erste Mal gehört, in welchem Zustand sich meine Freundin befand, die über Jahre hinweg Borderline hatte. Um es vereinfacht zu erklären: Borderline ist eine Persönlichkeitsstörung, die sich durch eine Instabilität in den Bereichen Emotionen, Beziehungen und Selbstbild kennzeichnet.

Durch ihre Tagebucheinträge, die bei der Beerdigung vorgelesen wurden und einen Blick in ihre Innenwelt erlaubten, bekam ich einen Einblick in die Gründe für ihre Entscheidung. So komisch es klingen mag, aber durch diese Einblicke war dieser Tag für mich ein guter Tag. Ich hatte das Gefühl, dadurch ein Stück mehr loslassen, und die vielen Fragen in mir etwas besser beantworten zu können.

Die Monate danach waren ein Kampf

Ich konnte mich in der Schule nicht gut konzentrieren und schweifte in Gedanken ständig ab. Kraft- und Lustlosigkeit nahmen zu. Hobbys hatten für mich keinerlei Bedeutungen mehr.

Ich fand an nichts mehr Freude. Zudem verspürte ich einen inneren Druck, der mich zum grundlosen Weinen brachte. Das Weinen erinnerte mich wieder an meine Freundin, und das wiederum brachte mich noch mehr zum Weinen. 

Ich versuchte zu verstehen, wie sie sich vor allem in dem letzten Jahr gefühlt haben musste und übertrug, ohne es bewusst zu wollen, ihre Gefühlswelt auf meine eigene. Ich selbst stellte mir dann ganz ernsthaft die Frage, warum ich denn noch weiter leben sollte; ob das überhaupt noch ein Sinn machen würde. Suizidgedanken hatte ich seither sehr viele. 

Ich holte mir das Leben zurück

Durch Selbstreflexion und durch die große Stütze meiner Eltern, konnte ich realisieren, dass ich die Gefühlswelt meiner Freundin adaptiert hatte und selbst eine Art Depression entwickelt habe.

Durch diese Erkenntnis versuchte ich Schritt für Schritt, meine Umgebung wieder positiver zu betrachten, was mir sehr schwer fiel. Ich sah, dass es auch schöne Seiten vom Leben gibt und konnte mich bald wieder an kleinen Dingen erfreuen. 

Jetzt sind ungefähr 1,5 Jahre vergangen, dass meine Freundin nicht mehr lebt und manchmal gelange ich noch in eine depressive Phase, doch die Ermutigung meiner Eltern und das Zusammensein unter Freunden holt mich aus meinen Tunnel immer wieder heraus.


Wenn du gerade selbst mit Angst, Depressionen oder anderen psychischen Herausforderungen kämpfst, haben wir hier einen Brief an dich geschrieben. DU kannst auch andere ermutigen, erzähle Deine Geschichte! Wir freuen uns auch riesig über deine Nachricht oder deinen Kommentar! Wenn dir der Blog gefallen hat, kannst du ihn natürlich gerne liken, teilen und uns auf Facebook und Instagram folgen @theoceaninyourmind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.