Muss ich jede emotionale Überforderung ernst nehmen?

An vielen Tagen fällt es mir schwer meinen emotionalen Zustand zu bewerten. Ich bin vor kurzem Papa geworden und genieße den größten Teil des Elternseins und die Zeit mit meinem Baby. Es gibt aber natürlich auch Zeiten in denen mir Schlaf fehlt, in denen ich mich fühle als wären meine Frau und ich nur noch Kollegen in diesem neuen Job Kinderbetreuung.

Meine eigentliche Arbeitsstelle ist dabei leider nicht plötzlich viel einfacher geworden und auch der Rest des Lebens geht immer noch weiter. Und so gibt es Tage, an denen ich mich frage, ob mein emotionaler Zustand nicht langsam etwas Ernstes ist? Ob es schon Zeit ist zu handeln oder ob ich meine aktuellen Emotionszustand nicht einfach etwas zu ernst nehme.

Wie können wir das richtige Maß finden?

Vielleicht kennst du die Frage auch? Vielleicht fragst du dich auch manchmal, ob du nicht langsam etwas unternehmen müsstest? Ob vielleicht eine Auszeit dran ist? Ob du mal Hilfe suchen solltest? Auf der anderen Seite kennst du sicher auch all die Gedanken, die das wieder relativieren. „Anderen geht es ja aber viel schlechter“, „Ich habe so viel, wofür ich dankbar sein kann“, oder „das letzte Mal als ich mich so gefühlt habe ist es auch einfach weggegangen.“

Ich erlebe einfach viel zu häufig, dass emotionale Überforderung nicht ernst genommen wird. So schnell benutzen wir all unsere positiven Überzeugungen, um unser negatives Erleben klein zu reden. Bitte versteh mich nicht falsch – ich glaube Dankbarkeit und positive Gedanken und Sätze bringen uns so oft in die richtige Richtung. Ich bin aber auch davon überzeugt, dass wir unsere Emotionen ernst nehmen sollten, und nicht alles was uns überfordert klein reden sollten. Wie können wir also lernen unsere emotionale Überforderung zum richtigen Zeitpunkt ernst zu nehmen?

Nimm dir die Zeit, die du brauchst.

Zuallererst möchte ich dir sagen: Du bist nicht allein! Emotionale Überforderung trifft uns alle. Manchmal super nachvollziehbar, klar und logisch für jeden. Manchmal scheinbar völlig grundlos oder aus komischen, banalen oder scheinbar dummen Gründen. Aber egal wie: Du darfst und sollst dich und deine Emotionen ernst nehmen. Egal welche Emotion, du darfst sie ernst nehmen. Egal wie du dich aktuell fühlst, du hast es verdient, dass du dich darum kümmerst.

Finde deine Geschwindigkeit. Das ist eine der größten Lektionen, die ich die letzten Monate und Jahre lernen durfte. Es gibt Phasen im Leben. In manchen dieser Phasen fallen mir Dinge leichter als vorher, in anderen deutlich schwerer. Und manchmal kann ich die Phase auch nicht an äußeren Umständen fest machen. Im Klartext heißt das: Deine emotionale Belastbarkeit ist kein Festwert. Die Kraft, die du hast kann schwanken. Die Zeit, die du brauchst, um Dinge zu verarbeiten, wird sich ändern. Die Dinge, die du mit links wegsteckst, sind mal mehr und mal weniger. Finde deine Geschwindigkeit, es ist okay wenn sie heute anders ist als gestern und auch morgen vielleicht schon wieder anders.

Deine Emotionen zu verarbeiten und ernst zu nehmen, braucht Zeit. Zeit in deiner heutigen persönlichen Geschwindigkeit. Vielleicht findest du einige Emotionen, die einfach nur etwas Aufmerksamkeit gebraucht haben, und die dann einfach verschwinden. Es kann sein, dass du hinter einigen Emotionen Gedankenmuster entdeckst, die du gerne ändern möchtest. Einigen Emotionen kannst du vielleicht einfach etwas Positives entgegensetzen. Es ist aber auch möglich, dass du dir die Zeit nimmst deine Emotionen zu verarbeiten und dabei einfach nicht weiterkommst. 

Bleib nicht allein

Ab dem Punkt, an dem du alleine nicht weiterkommst, kannst mit Freund*innen reden und teilen, was dich beschäftigt. Du kannst dir professionelle Hilfe suchen oder beim Seelsorgetelefon anrufen. Bleib bitte nicht allein, wenn du merkst, dass du emotional überfordert bist und das Gefühl bleibt. Das ist okay und genau dafür gibt es andere Menschen.

Ich träume von einer Welt, in der es einfach ist sich um sich selbst zu kümmern. In der meine Tochter nicht selbst rausfinden muss, dass ihre emotionale Belastbarkeit keine flache Linie ist. Eine Welt in der ich und die Menschen um mich herum zeigen, dass sie manchmal mehr Zeit für sich brauchen und dass das ganz normal ist. Ich will darüber sprechen, ich will den Menschen um mich herum vorleben, dass es gut ist die eigene Geschwindigkeit zu finden. Ich will mir die Zeit für mich selbst nehmen, meine Emotionen ernst nehmen und mit meiner emotionalen Überforderung nicht allein bleiben.

Ich bin so dankbar für Therapie, die mir beibringt mit meinen Gedanken umzugehen. Ich bin so dankbar für Freunde, die mich durch meine Überforderungen tragen. Ich will genau so ein Freund sein, zu dem man kommen kann und einfach teilt was dich beschäftigt. Ich glaube so verändern wir die Welt gemeinsam, ein kleines bisschen mehr Selfcare, ein kleines bisschen mehr die eigenen Emotionen ernst nehmen und ein kleines bisschen normaler machen die eigene Geschwindigkeit zu finden. 




Wenn du gerade selbst mit Angst, Depressionen oder anderen psychischen Herausforderungen kämpfst, haben wir hier einen Brief an dich geschrieben. DU kannst auch andere ermutigen, erzähle Deine Geschichte! Wir freuen uns auch riesig über deine Nachricht oder deinen Kommentar! Wenn dir der Blog gefallen hat, kannst du ihn natürlich gerne liken, teilen und uns auf Facebook und Instagram folgen @theoceaninyourmind.

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