Deine Geschichte

Esthers Geschichte

Hallo. Ich bin Esther. Ich bin aktuell 18 Jahre alt und auf dem Weg zum Abitur.

 

Ich passte nirgendwo dazu

Ich weiß nicht mehr genau, wie es angefangen hat; ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich ungefähr in der 7. Klasse war und nicht mehr in die Schule gehen wollte. Ich musste mir dort ständig Sprüche anhören wie: „Was ist denn bei der Geburt falsch gelaufen?!“

In meiner Familie habe ich mich auch nicht mehr wohl gefühlt. Ich passte nicht in das Schema meiner Eltern. Alle wollten nur das Double meiner Schwester in mir sehen, aber nicht den Menschen, der ich wirklich bin.

Ein großer Ausgleich zu dem ganzen Stress war für mich eigentlich immer der Fußball, doch die Mädchen aus meiner Fußballmannschaft haben die Sprüche aus der Schule irgendwann mitbekommen und so wurde nun auch jedes Training zum kompletten Horror. Ich bekam per Handy Hater-Nachrichten, wodurch ich den Sticheleien permanent ausgesetzt war. Das kann auf Dauer kein Mensch aushalten.

 

Ich sah keinen Ausweg, außer mich selbst zu verletzen

Um diesen Stress zu beseitigen und auch teilweise um zu merken, dass ich noch lebe, fing ich an mich selbst zu verletzen. Es war ein Gefühl der Befreiung. Wenn ich nicht perfekt war, wenn ich nicht so war, wie andere es wollten.

Immer dann, wenn der Druck unerträglich wurde, griff ich zur Klinge. Ich wollte mich selbst dadurch entlasten. Das ging etwa 3-4 Jahre so, ich verletzte mich bei jeder Situation, die mich überforderte…

 

Dann begegnete ich Menschen, die meinen Wert erkannten

Ich bin oft mit auf Freizeiten gefahren. Auf meiner ersten Freizeit habe ich meine beste Freundin kennen gelernt. Sie hat mir gezeigt, dass sie meinen Charakter so annimmt, wie er ist. Wenn ich mit ihr zusammen bin, kann ich sein wie ich bin.

Letztes Jahr bin ich auf eine Freizeit mitgefahren, auf der ich mich einer Mitarbeiterin anvertraut habe. Ich habe noch nie so lange gebraucht, um einen Satz zu sagen. Doch ich kannte sie schon ein paar Jahre und wusste, dass ich ihr vertrauen kann.

Schon auszusprechen, dass ich mich selbst verletzte, fühlte sich an, als würden 1000 Kilo von mir abfallen. Seitdem hilft sie mir, dass ich es schaffe, mich nicht mehr selbst zu verletzen.

 

Öffne dich den richtigen Menschen

Seit ca. 4 Monaten hab ich mich nicht mehr verletzt und ich bin so stolz darauf. Außerdem habe ich gelernt, dass ich mehr Wert auf die Aussagen von Menschen legen sollte, die mich so annehmen wie ich bin.

Holt euch Hilfe! Es muss nicht gleich professionelle sein; der erste Schritt ist schon, wenn man sich jemandem öffnet, dem man vertraut. Ihr müsst noch nicht einmal über euer Problem reden, sondern könnt mit dieser Person auch über Alltagsthemen reden. Es entlastet einen schon, wenn man merkt, dass man angenommen wird, wie man ist.

 

Halte deinen Fortschritt fest

Falls ihr auch Probleme mit selbstverletzendem Verhalten habt, kann ich euch noch einen kleinen Tipp mit geben: Ladet euch eine z.B. Strichlisten-App oder Counter-App herunter, tragt das Datum ein und macht für jeden Tag, an dem ihr euch nicht verletzt einen Strich, etc.

Wenn ihr euch dann wieder selbst verletzen wollt, schaut auf eure Liste und überlegt euch, ob ihr euren ganzen Fortschritt jetzt einfach weg werfen wollt – oder ob ihr es nicht doch schafft, noch einen Tag länger durchzuhalten. Mir hat es geholfen, mich nicht mehr zu verletzen.

 

 


Wenn du gerade selbst mit Angst, Depressionen oder anderen psychischen Herausforderungen kämpfst, haben wir hier für dich die ersten Hilfemöglichkeiten aufgeschrieben und auch einen Brief an dich geschrieben. DU kannst auch andere ermutigen, erzähle Deine Geschichte! Wir freuen uns auch riesig über deine Nachricht oder deinen Kommentar! Wenn dir der Blog gefallen hat, kannst du ihn natürlich gerne liken, teilen und uns auf Facebook und Instagram folgen @theoceaninyourmind.

 

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