Deine Geschichte

Toms Geschichte

Veröffentlicht

Ich bin 47 Jahre, seit 23 Jahren verheiratet und im Top Management im Einzelhandel. Auf meinem Lebensweg musste ich lernen, warum es nicht sinnvoll ist, die Erde in 3 Tagen erschaffen zu wollen!

 

Erfolg und Anerkennung waren meine Drogen

Dieses Jahr hat sich mein Leben radikal geändert. Im April wurde bei mir eine schwere, arbeitsbedingte Depression festgestellt. Das war für mich sehr überraschend, für meine Umwelt nicht.

Ich habe immer einen hohen Anspruch an mich selbst. Wollte erfolgreich sein, Anerkennung genießen, Lob war meine Energie. Wenn ich ein Ziel erreicht hatte, wurde es langweilig, etwas Neues musste her. Gab es irgendwo Probleme zu lösen, ich hob die Hand oder sagte nie nein. Es liegt mir im Blut leidenschaftlich, ohne Zeitlimit zu arbeiten… sagte ich mir. Heute weiß ich, dass ich als Kind kaum gelobt wurde, in der Schule der Aussenseiter, der nur durch Erfolg trotzdem Anerkennung erfuhr. Das prägte mich.

Im Laufe der Zeit wuchs mein Selbstbewusstsein, nichts schien unmöglich. Ich bin extrovertiert, kann Leute begeistern und habe wohl endlose Energie. Ich kompensierte weggefallene Stellen des Stellvertreters, Sekretärin ist auch old school.. Ja, ich fühlte mich wie ein Gott.
Und dann stand ich auf einmal da. Am Bahnhof, wusste nicht wer ich bin und wohin ich wollte. Ich spürte meine Hände nicht, der Kopf kribbelte. Jetzt kommt der Schlaganfall dachte ich noch. Man brachte mich zu einem Arzt. Er meinte, dass sich mein Leben jetzt radikal ändern wird.

 

Systemausfall, Neustart

Schlaganfall? Nein, Burn Out, was nichts anderes als eine arbeitsbedingte Depression ist. Nachdem ich 3 Tage eigentlich nur schlief, war ich am 4. Tag endlich soweit mein Problem zu lösen. Alles darüber gelesen, Termine mit Psychologen gemacht, vom Hausarzt 2 Wochen krank schreiben lassen. Das muss doch reichen, sagte ich mir zunächst. Wie falsch ich lag!
Ich habe den Termin mit dem Psychologen vergessen, sowie ich mir nichts mehr merken konnte, außer den Namen meiner Frau. Mein Gehirn war nur noch überlastet und konnte nichts mehr abspeichern. Schlaf zu Erholung hatte ich kaum. Ich war am Ende und kam in eine Akutklinik.

Die Einweisung war das Beste, was mir passieren konnte. War es leicht? Nein. Am erstes Tag weinte ich wie seit mindestens 40 Jahren nicht mehr. Aber man war einfach für mich da, verstand mich, nur ich musste mich noch finden. Ich lernte, dass ich süchtig nach Anerkennung war. Dass ich mich nur noch über den Job definierte und nicht wusste, wer ich bin, was mir wichtig ist, wann ich glücklich bin. Wie ich genießen kann. Heute bin ich seit einem halben Jahr krank geschrieben. Ich bin schon in einer Wiedereingliederungsmaßnahme, aber nur damit ich selber meine Grenzen kennen lerne.

 

Was wirklich zählt

Auch mein Freundeskreis hat sich radikal geändert. Ich dachte, dass ich viele Freunde hatte, viele waren nur Bekannte, einige waren falsch und hintergingen mich und ich merkte es in meiner Erfolgssucht nicht. Einige stellte sich als wahre Freunde raus, dafür bin ich so dankbar. Viele Leute habe ich neu kennengelernt, denn das Leben geht weiter.

Man kommt nicht ohne Hilfe aus so einer Situation. Gerade Burn out Patienten fällt es schwer Hilfe anzunehmen, aber ohne das geht es nicht. Ich musste akzeptieren, dass andere Menschen Dinge anders bewerten und auch Recht haben können. Es ist nicht wichtig erfolgreich zu leben, es ist wichtig zu leben und zu genießen. Kann ich das, mal ja, mal nein. Es ist ein verflucht langer Weg. Ich habe meinen Ehrgeiz nicht abgelegt, aber muss damit leben lernen und ihn auf ein gesundes Maß reduzieren. Ich bin gerade wie ein Junky auf kaltem Entzug. Meine Drogen waren Erfolg und Anerkennung. Ich muss lernen, das Leben wieder zu genießen. Den Augenblick.


Wenn du gerade selbst mit Angst, Depressionen oder anderen psychischen Herausforderungen kämpfst, haben wir hier einen Brief an dich geschrieben. DU kannst auch andere ermutigen, erzähle Deine Geschichte! Wir freuen uns auch riesig über deine Nachricht oder deinen Kommentar! Wenn dir der Blog gefallen hat, kannst du ihn natürlich gerne liken, teilen und uns auf Facebook und Instagram folgen @theoceaninyourmind.

Kommentar verfassen