Deine Geschichte

Helenas Geschichte

Leben

Hi! Ich bin Helena, ich bin 16 Jahre alt und auf dem Weg zum Abitur.

 

Ich lebte quasi bei meiner Tante

Mein Leben lief für mich die ersten Jahre relativ normal. Für andere war meine Lebenssituation schon immer etwas merkwürdig. Meine Eltern waren typische Workaholics. Als ich etwa 6 Monate alt war, habe ich den Tag bei meiner Tante verbracht. Sie war zu dieser Zeit nicht arbeiten, weil sie selbst ein Kleinkind hatte. Das änderte sich auch nicht, als ich älter wurde. Nach dem Kindergarten und später nach der Schule, war ich immer bei meiner Tante. Ich hatte eine normale Kindheit mit einem Bruder, der eigentlich mein Cousin war. Meine beiden kleinen Brüder verbrachten die Tage ebenfalls bei meiner Tante.

 

Diagnose: AD(H)S

Das erste Mal bei einem Psychiater war ich, weil ich in der 9. Klasse viele Probleme hatte. Auch dabei hat meine Tante mich unterstützt. Ich bekam die Diagnose AD(H)S und wurde fortan medikamentös behandelt und mir ging es besser. Ich hatte endlich das Gefühl zeigen zu können, was ich wirklich kann.

 

Meine Eltern wollten kein „Psycho Kind“

Eine Psychotherapie durfte ich allerdings nicht machen. Aus irgendeinem Grund weigerten sich meine Eltern. Sie wollten kein „Psycho Kind“ haben. Stattdessen zahlten sie eine teure tiergestützte Therapie, die die Krankenkasse nicht übernommen hat. Die Therapie hat allerdings nicht viel geholfen.

 

Plötzlich änderte sich alles

Schlimm wurde mein Leben erst, als meine Tante plötzlich starb. Neben meiner Tante verlor ich auch meinen ‚großen Bruder‘, der zu seinem Vater in ein anderes Bundesland gezogen ist. Ich musste seitdem alles für mich und meine kleinen Brüder tun: kochen, Haushalt, Wäsche waschen, meine Brüder vom Kindergarten und später aus der Schule abholen. Daneben hatte ich noch Schule und Hobbys.

 

Ich gab mich immer mehr selbst auf

Mit der Zeit habe ich immer mehr Hobbys aufgegeben. Mir ging es nach und nach schlechter. Ich entwickelte Angst vor Menschen, dachte jeder würde mich verurteilen und schlecht von mir denken. Außerdem bekam ich panische Angst vor der Schule. Ich ging immer seltener hin…

 

Ich wollte meine Eltern nicht verletzen

Das Jugendamt schaltete sich ein, weil ich ständig unentschuldigt gefehlt habe. Ich habe bei vielen Gesprächen gelogen oder verheimlicht, was bei uns abging. Meine Angst, dass ich aus der Familie genommen werde war zu groß; und gleichzeitig hatte ich Angst, dass ich in Therapie muss. Ich wollte eben kein Psycho Kind sein und meine Eltern damit verletzen. Dann kam der Zeitpunkt an dem ich nicht mehr wollte. Ich gab das Kämpfen auf.

 

Während der Zeit in der Klinik änderte sich vieles

Nach einem Krankenhausaufenthalt, kam ich in die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Meine Eltern haben ihre Einstellung plötzlich geändert und ich bekam Hilfe in vielen Bereichen meines Lebens. Meine Familie bekam schon, als ich in der Klinik war eine Familienhilfe. Ich wurde ehrlich. Allerdings wurde kaum erkannt, dass ich nicht wegen meiner Sozialphobie und Depression nicht in die Schule ging, sondern weil ich zusätzlich noch eine Schulangst (ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie die Diagnose genau heißt) habe. In der Klinikschule kam ich prima zurecht. Mir ging es in der Klinik langsam besser.

 

Zuhause ist es immer noch schwer

Zuhause wurde es allerdings nochmal sehr schwierig. Ambulant wurde ich erst sehr spät weiter behandelt. Auch das war ein Kampf, da es einen extremen Therapeutenmangel gibt. Aber auch das habe ich irgendwie gemeistert. Ich bin jetzt seit gut einem Dreiviertel Jahr ambulant in Behandlung und mache weiterhin Fortschritte. Wirklich stolz auf mich bin ich, weil ich wieder sehr regelmäßig in die Schule gehe. Außerdem werde ich bald in eine heilpädagogische Wohngruppe ziehen, da es Zuhause immer noch nicht gut läuft. Meine Eltern sind keine schlechten Menschen, sie haben sich das Leben mit Kindern nur anders vorgestellt. Dass ich in die WG ziehe, ändert nichts an der Liebe zwischen meinen Eltern und mir. Es ist der beste Weg.

 

Holt euch Hilfe, wenn es euch nicht gut geht!

Ich habe schon früh gemerkt, dass etwas mit mir nicht stimmt. Doch habe ich nie darüber gesprochen. Ich habe mich geschämt und hatte Angst. Sich Hilfe zu suchen ist weder schlimm, noch eine Schande. Wenn es euch nicht gut geht, wartet nicht erst ab, bis ihr nicht mehr könnt!

 

 

 


Wenn du gerade selbst mit Angst, Depressionen oder anderen psychischen Herausforderungen kämpfst, haben wir hier für dich die ersten Hilfemöglichkeiten aufgeschrieben und auch einen Brief an dich geschrieben. DU kannst auch andere ermutigen, erzähle Deine Geschichte! Wir freuen uns auch riesig über deine Nachricht oder deinen Kommentar! Wenn dir der Blog gefallen hat, kannst du ihn natürlich gerne liken, teilen und uns auf Facebook und Instagram folgen @theoceaninyourmind.

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